Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Nicht das ist der Weg!
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 MENORAH Dr. Chaim Weizmann successor of Herzl and Wolfsohn as leader of the Zionist Organisation Nachfolger Herzl und Wolfsohns als Führer der zionistischen Organisation Defizitwirkung ist noch nie ein Land kolonisiert worden.) — Kurz, man hat sich der verhängnisvollen Illusion hingegeben, man könne Palästina sozialistisch und gemeinwirtschaftlich aufbauen. Man kann aber schon heule verkündigen, und jeder Einsichtige muß es nach den Mißerfolgen der letzten Jahre schon heute einsehen, Palästina kann nicht allein von /Vrbeitergruppen aufgebaut werden. Palästina wird aufgebaut werden von der jüdischen Bourgeoisie oder — Coli behüle uns davor — von der arabischen Bourgeoisie. Hat man überhaupt von der englischen Regierung die Zusicherung erhalten, daß ganz Palästina das jüdische Nationalheim weiden wird. Wegen ein paar Dörfer in Nord-Galiläa hat man sich in gewaltigen Zorn gegen Frankreich hineingehetzt, aber auf Transjordanien, Palästina jenseits des Jordans, scheint die derzeitige Leitung schon verzichtet zu haben. Hat unser Lehrer Moses, als er unsere Vorjähren aus Ägypten führle, Verzicht geleistet auf das Land von Ruhen, Cad und halb Menasse? Wir wollen aber nicht nur Kritik, sondern auch praktische Vorschläge machen, die wir zu anderer Zeit ergänzen und ausführlicher begründen wollen. Vor allem möge sich der Kongreß durch die Debatten über die Jewish Agcncy nicht von viel notwendigerer und wichtigerer Arbeit abhalten lassen. Die Jewish Agency ist heute noch eine fast unwesentliche Nebensache, und bei Nebensachen hält man sich nicht auf, wenn die wichtigsten Dinge auf dem Spiele stehen. Palästina muß aufgebaut werden als Nationalhcim für jüdische Menschen, mit den nicht allzu großen uns verfügbaren Mitteln, „bald in unseren Tagen". Man beschränke die Kolonisationstätigkeit nicht nur auf osteuropäische Juden, sondern veranlasse die Auswanderung der jemenitischen, kurdischen und kaukasischen Juden nach Palästina; sie sind dank ihrer landwirtschaftlichen Kenntnisse, Gewöhnung an Klima und Lebensumstände, die den palästinensischen ähnlich sind, in erster Linie berufen, den Grundstock der künftigen palästinensischen Judenschaft zu bilden. Sollten unsere Führer allein nicht die Fähigkeit haben, dies zu tun, dann mögen sie eine Anzahl von Auswanderungsagenten aufnehmen, die wissen, wie man eine unzufriedene Bevölkerung zum Wandern veranlaßt, sollten sie aber fürchten — wir glauben mit Recht —, daß sie allein nicht imstande sind, die reibungslose und billige Ansiedlung durchzuführen, dann gibt es noch zahlreiche Fachleute von den kanadischen und preußischen Ansiedlungskommissioncn, deren Mitarbeit man sich sichern sollte. Dann aber kümmere man «ich um die bewährten jüdisci' cn Farmer in Nordamerika und Südruj'iland, von denen sehr viele bei entsprechender Aufklärung und Unterstützung bereit wären, nach Palästina zu übersiedeln. (Welche überflüssigen Schwierigkeiten hat man der großen Gruppe von transsylvanischen Landwirten gemacht, die Haus und Flof verkaufen wollten, und mit ihrem gesamten Viehstand und Ackergeräten nach Palästina zu übersiedeln schon bereit waren!) Im Lande aber trachte man mit allen Kräften, daß ein Einvernehmen hergestellt werde zwischen den neuen Arbeilcrcinwanderern und den allen verdienten Kolonisten, bei denen trotz mancher ilner Fehler nie vergessen werden darf, daß sie vor dreißig oder vierzig Jahren unter weitaus schwierigeren Verhältnissen als den heutigen pionierhaftc Chaluzim waren. Man hetze nicht länger die öffentliche Meinung gegen die Kolonisten auf, und zahlreiche Arbeitslose, die heute den nationalen Fonds zur Last fallen, werden gerne einige Jahre bis zu iherer selbständigen Ansiedlung Gelegenheit haben, an Stelle der arabischen Lohnarbeiter in Kolonien Arbeit, Auskommen und landwirtschaftliche Anleitung zu linden. — Zur sofortigen Ansiedlung aber, gleich oder bald nach ihrer Ankunft in Palästina, sind nur solche Einwanderer würdig und fähig, die durch mehrere Jahre in ihren Herkunftsländern praktisch und theoretisch sich vorbereitet haben. Im ganzen aber mache man sich endlich von dem Irrwahn frei, daß man cr«>ac/isene Angehörige eines Volkes, das seit Jahrtausenden der t: Nah um Sokolow well known hebrew aulhor and Journalist represented togetlier u ith \\ eizitiann the Zionist Organisation at the negotalions with the great powers bekannter hebräischer Schriftsteller und Journalist, vertrat gemeinem mit Weizmann die zionistische Organisation bei den l uterhainlhmgeit mit den Großmächten Landwirtschaft entwöhnt ist, in großen Massen der Landwirtschaft zuführen könne. Nur wenige Erwachsene werden es sein, die die sittliche Kraft aufbringen, um ihren ganzen Lebensinhalt umzustellen. Nur im jungen Alter ist man dazu fäh'g und geeignet. Landwirtschaftliche Erziehung von Kindern beiderlei Geschlechtes in Schulfarmen ist unser Vorschlag, von dessen Ausführung wir uns eine ungeheure Erleichterung unseres Aufbauwerkes erwarten. Vom 10. bis 18. Lebensjahre ist der Zeitraum, in dem auch Kinder städtischer Eltern mühelos und fast spielend sich die Kenntnisse und Fähigkeiten der Landwirtschaft aneignen. Die in diesen Lebensjahren selbstverständliche Schuldisziplin ermöglicht auch, alle Ghet'ofehler zu beseitigen, charakterfeste Menschen zu erziehen und restlose Hebra isierung zu erreichen. D'e Frage der Kosten aber spielt bei diesem Vorschlage keine ausschlaggebende Rolle, weil ja die meisten Eltern ohnehin für die Erhaltung und Ausbildung lhtri unmündigen Kinder nach Kräften sorgen. W enn aber jemand einwenden würde, daß sich jüdische Eltern nicht bereit finden werden, ihre Kinder gut geleiteten und verläßlichen Schularmen anzuvertrauen — ein Einwand, den wir für irrig halten — so möge auf die Tatsachen hingewiesen werden, daß es Hunderttausende jüdischer Waisenkinder gibt, die mühselig und oft widerwillig von Gemeinden und Stiftungen erhalten werden, bei denen das Hindernis des elterlichen Widerspruches fortfällt und denen daher in erster