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Menorah · 1923-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 2-3
Article
Nicht das ist der Weg!
Date
1923-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 MENORAH i Reihe cas Glück zvtei1 werden kann, eine goldene Jugendzeit in Palästina zu verbringen und nach ihrer Ausbildung den Grundstock jüdischer Massensicdlung zu bilden. Wir haben den erslcn Teil dieser Ausführungen in tiefem Mißmut über die bisherigen Mißerfolge geschrieben, unsere Vorschläge aber in — wie wir glauben — begründeter Zuversicht, daß ihre Befolgung Besserung bedeutet. Wir stellen unsere Vorschläge zur Diskussion und erwarten genaue und vorurteilslose Überprüfung. Wir erhoffen uns den Dank aller Gutgesinnten, weil wir gewagt haben, die Wahrheit laut und deutlich zu sagen. Anfeindungen und Beschuldigungen fürchten wir nicht in dem Bewußtsein unseres guten Rechtes. Man muß den Führern, wenn sie gefehlt und geirrt haben, die Wahrheit ins Gesicht sagen dürfen. Sollte man wagen, uns dieses Recht verwehren zu wollen, das wäre nicht Z i o n mehr, das wäre Byzanz. P. J. D. Der Dreizehnte Kongreß und die Jewish Agency Die Bechlüsse der amerikanischen zionistischen Landesorganisation, die unter Patronanz des Herrn Dr. Chaim Wcizmann gefaßt wurden, haben den Verlauf des XIII. Zionistischen Kongresses vorausbestimmt und einen leidenschaftlichen Kampf um die jewish Agency in der zionistischen Welt hervorgerufen. Die Jewish Agency ist die im Mandat vorgesehene Körperschaft, die als Vertretung des jüdischen. Volkes die englische Regierung beim Aufbau Palästinas als jüdisches Nationalhcim zu beraten hat. Die amerikanischen Beschlüsse sind von dem Gedanken getragen, daß die zionistische Organisation sich allzu schwach gezeigt hat, den Aufbau Palästinas im erhofften Buflalo-Bill- Tcmpo auszuführen, und daß man daher auf andere Kreise des Judentums einwirken muß, um sie zur aktiven Hilfeleistung für den Aufbau Palästinas heranzuziehen. Die amerikanischen Zionisten machen aber keine halbe Arbeit. Wenn schon nichtzionistische Kreise für Palästina zu interessieren sind, so müssen es gleich prominente Kapitalisten sein, die große Summen für Palästina aufzubringen imstande wären. Die „prominenten Kapitalisten" standen aber bis nun, und besonders in Amerika, jeder nationalen Organisation feindlich gegenüber und konnten daher für den politischen Zionismus nicht gewonnen werden. Die Anhänger Weizmanns in Amerika wußten gleich einen Ausweg, um diesen „Philanthropen" die Brücke zur Palästinaarbeit zu bauen, ohne sie zu einer Konzession an die wirklich zionistische Ideologie zu veranlassen. Man erklärte sich bereit, den Aufbau Palästinas auf eine rein wirtschaftliche Basis stellen zu wollen, unbelastet durch nationale oder soziale Erwägungen, mit der in der Öffentlichkeit unausgesprochenen Ansicht, daß ein aufgebautes Palästina sich schon selbst national ausbilden werde. Die Anhänger Wcizmanns waren auch nicht lange verlegen, um für diese Annäherungsversuche an die jüdischen Notabein eine äußere Form zu finden und für die zu gewinnenden neuen Mitarbeiter ohne Schwierigkeit eine Arbeitsmöglichkeit zu schallen. Das Mandat enthält bekanntlich eine Bestimmung über die Jewish Agency und den Wunsch, daß die zionistische Organisation das gesamte Judentum für Palästina interessieren möge. Da wurde der Hebel angesetzt und die Jewish Agency zu jenem Instrument auserschen, das die Verbrüderung der Zionisten und der nichtzionistischen Kreise ermöglichen sollte. Die Baltimorcr Resolutionen gipfeln in dem Vorschlag, die zionistische Organisation möge darauf verzichten, allein die Trägerin der Jewish Agency zu sein, und versuchen, nichtzionistische prominente Persönlichkeiten für den Eintritt in die Jewish Agency zu gewinnen. Dieser Plan soll nach der Ansicht der amerikanischen Zionisten die Möglichkeit eröffnen, an Stelle der bisher materiell schwachen zionistischen Organisationen Quellen zu erschließen, aus denen sich Ströme von Geldern für den Aufbau Palästinas ergießen würden. Der Präsident der zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, erklärt, daß diese Beschlüsse in seinem Sinne seien, daß er sie auf dem Kongreß vertreten werde. Dr. Weizmann meinte ferner, das jüdische Volk habe versagt, es habe sich weder durch die Balfoür-Declaration noch durch den Erfolg von San Remo, noch durch den Beschluß des Völkerbundrates zu bedeutenden Taten hinreißen lassen, man müsse daher andere Wege gehen und die jüdischen Notabein zu gewinnen versuchen. Und so ist es gekommen, daß die Jewish Agency-Frage sich zum Kardinalproblem des nächsten zionistischen Kongresses herausgebildet hat, daß die ganz zionistische Öffentlichkeit in einen vehementen Kampf um das Problem der Jewish Agency hineingerissen wurde und daß voraussichtlich der XIII. Kongreß alle seine Energien auf diese Frage konzentrieren wird. Das Schicksal des XIII. Kongresses ist von vornherein dadurch entschieden. Es wird ein unfruchtbarer Kongreß sein, der, mit einer Blufffragc belastet, nichts Positives wird leisten können. Ich behaupte nämlich, daß die ganze Jewish Agency an und für sich ein diplomatischer Bluff war und bleiben wird, daß es ein Verbrechen an der Bewegung sei, mit diesem Bluff die Tagesordnung eines Kongresses zu verrammeln. Es ist ferner ein Bluff sogar vom Standpunkte der amerikanischen Zionisten, daß man den Notabein, um sie für den Wiederaufbau Palästinas zu gewinnen, als Gegenleistung und Arbeitsmöglichkeit die Zugehörigkeit zu einem solchen Bluffinstrument, wie es die Jewish Agency ist, vorspiegelt. Ich habe immer den Standpunkt vertreten, daß unsere Politik in Palästina und um Palästina so lange falsch sein wird, so lange man sie b 1 o ß auf die englische Richtung einstellen wird. Ich will selbstverständlich nicht die geschichtliche Tatsache leugnen, daß die Balfour-Declaration ideell und die Vertreibung der Türken aus Palästina materiell sehr wichtige Voraussetzungen für die Arbeit in Palästina waren. Es hieße auch mit dem Kopfe durch die Wand rennen, wenn man die Aufbauarbeit in Palästina mit Außerachtlassung der Beziehungen zur englischen Regierung für möglich halten würde. Diese Selbstverständlichkeiten können aber nicht identisch sein mit einer Einstellung, daß unsere ganze Zukunft bloß davon abhängig sein soll, daß wir in alle Ewigkeit uns nur auf die Mandatarmacht stützen und nur von dort aus unser Heil erwarten. Wir haben es glücklich dazu gebracht, jetzt in Palästina als Exponent Englands betrachtet zu werden und bilden den Blitzableiter für alle Spannungen, die zwischen der imperialistischen Politik Englands und den Selbständigkeitsbestrebungen des Orients entstehen. Wir sind in unserer einseitigen Einstellung auf das Foreign Office geradezu mit Blindheit geschlagen und wollen nicht einsehen, daß, wie seinerzeit die Balfour-Declaration nur eine Gegenleistung für wichtige Hilfe im Kriege war, die jetzige „prozionistische" englische Politik als gesellschaftliche Erscheinung (von einzelnen individuellen englischen Enthusiasten abgesehen) nicht das Interesse der Juden, sondern den Schutz des Suezkanals bewußt oder unbewußt beinhallet. In dieser Blindheit bemerken wir auch nicht, daß die englische Politik in Palästina, insofernc sie sich genötigt sieht, den Arabern entgegenzukommen, es nicht auf Kosten des englischen, sondern stets des jüdischen Interesses tut und daß wir geradezu einen Hanswurst abgeben, mit dem die Engländer und Araber Ball spielen. Ich habe noch nicht gehört, daß die Engländer die palästinensischen Araber für sich durch irgendwelche materielle Opfer zu gewinnen versuchen, daß sie irgendwelche Summen aus dem englischen Staatssäckel ihnen zuwenden, aber wir wissen nur zu gut, daß die englische Verwaltung ihnen Konzessionen macht auf Kosten der jüdischen Immigration und Vertretungsbefugnis im öffentlichen Leben Palästinas. Unsere Leitung scheint es Jahre hindurch übersehen zu haben, daß man uie in palästinensischen Fragen überhaupt sehr wenig zu Rate gezogen und stets vor faits aecomplis gestellt hat. Ich habe noch nie gehört, daß irgendeine Anordnung aus London oder aus Jerusalem englischerscils nach vorheriger Beratung oder auch nur nach Fühlungnahme mit der zionistischen Parteileitung erlassen worden wäre. Ich habe aber dafür sehr oft gelesen, daß man der zionistischen Leitung und den zionistischen Behörden immer Gelegenheit geboten hat, gegen die vollzogenen Anordnungen zu protestieren, und daß man ihr gnädig erlaubt hat, als Bittsteller bei dem Subrefcrenlen des Kolonialamles zu antichambrieren.

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