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Neue jüdische Monatshefte · 1920-03-10 · Heft 11-12 (10.3.1920) · p. Seite 254

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 11-12 (10.3.1920)
Article
Ostjuden und Volkswirtschaft
Date
1920-03-10
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254 Ungelernte Arbeiter in die Industrie unterzubringen, schien in den ersten Monaten nach der Demobilmachung unmöglich. Der deutsche Arbeitsmarkt war überfüllt mit ungelernten Arbeitern, und die Vorschriften des Demobilmachungsamtes verhinderten die Unternehmer in den meisten Grosstädten, besonders aber in Berlin selbst, neu hinzugezogene Arbeiter einzustellen. Bei einem genaueren Beobachten des Arbeitsmarktes stellte sich aber heraus, dass nach wenigen Monaten in einigen Hauptzentren der deutschen Industrie, vor allem im Rheinisch-westfälischen Industriegebiet der Arbeitsmarkt für neue Arbeiter aufnahmefähig war. Zuerst verlangten die Kohlenzechen neue Arbeitskräfte, da vor allem anderen die Kohlenproduktion gesteigert werden musste und die alte Belegschaft bei der Schichtverkürzung, der .Unterernährung, den Kriegsverlusten und dem Ausbleiben der ausländischen, besonders' der italienischen Arbeiter nicht ausreichte. Nun begannen auch immer mehr Zweige der Industrie neu zu arbeiten, denn sie mussten nicht nur den Bedarf des ausgehungerten deutschen Warenmarktes befriedigen, sondern auch Lohnarbeit fürs Ausland übernehmen, um einen Gegenwert für* die notwendige Lebensmitteleinfuhr zu haben. Es handelt sich hier um eine Tendenz, die sich immer deutlicher auswirkt fand nach kurzer Zeit den Wert jeder Arbeitskraft, also auch der des jüdischen Arbeiters, erkennen lassen wird. Nachdem zuerst durch Vertrauensleute jüdische Arbeiter vereinzelt in Gruben und Fabriken untergebracht worden waren, Degründete das Berliner Jüdische Arbeitsamt Zweigstellen in Duisburg und Cöln, um die Möglichkeiten des Arbeitsmarktes systematisch zu erfassen. Es fanden hier nicht nur die schon oben erwähnten Kategorien gelernter Arbeiter (Schlosser, Monteure, Tischler usw.), sondern auch Ungelernte als Hilfsarbeiter in Gruben, Zechen, Hütten, Giesserxien, Stahlwerken, bei Ent- und Beladearbeiten, bei Erd- und Bauarbeiten usw. Beschäftigung. , Die jüdischen Arbeiter bewährten sich gut und zeigten sich selbst der Arbeit unter Tage, wie sich bei der ärztlichen Voruntersuchung auf den Gruben ergab, in vielen Fällen körperlich gewachsen. Die Unterbringung von jüdischen Arbeitern in der Industrie hat sich mit der wachsenden deutschen Produktion von Monat zu Monat gehoben. Für die letzte Zeit beträgt der Anteil der vermittelten Arbeiter durchschnittlich: als Landarbeiter 10°/o als gelernte Industriearbeiter und Handwerker 35o/o ungelernte Industriearbeiter und Lehrlinge 55o/o Bei einer Steigerung seiner Mittel wird es dem Jüdischen Arbeitsamt möglich sein, die Zahl der untergebrachten ungelernten Arbeiter, die schon im Monat Februar in Duisburg allein ca. 400 betrug, beträchtlich zu erhöhen. Eine ergänzende Fürsorgetätigkeit, wie sie das Jüdische Arbeitsamt für Rheinland-Westfalen schon heute ausübt (Herberge, Küche, Arbeitskleidung, Vorschüsse) wird in allen Industriezentren die Mög-

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