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Neue jüdische Monatshefte · 1920-03-10 · Heft 11-12 (10.3.1920) · p. Seite 253

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 11-12 (10.3.1920)
Article
Ostjuden und Volkswirtschaft
Date
1920-03-10
Page
Seite 253 (sequence 5)
Language
German
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253 III. 50—70e/o der sich (Meldenden konnte durch die Vermittlung: der jüdischen Arbeitsämter untergebracht werden. Der Prozentsatz der Untergebrachten schwankt für die einzelnen Monate und Gegenden, da örtliche Verhältnisse, Jahreszeit und besondere Vorkommnisse, Streiks usw. hierbei mitsprechen. Seit Anfang 1920 steigt diese Zahl mit der Besserung des deutschen Arbeitsrnarktes ständig1. Für das rheinischwestfälische Industriegebiet betrügt im Januar und Februar ds. Js. der Prozentsatz der in Arbeitsstellen Untergebrachten etwa 90o/o der Meldungen. Gewisse Kategorien gelernter Arbeiter werden in Deutschland verlangt und können ohne Mühe in ihrem Fach Beschäftigung finden. Es handelt sich hier z. B. um gut gelernte Schneider, Schuster, Schäftemacher, Tischler, Schreiner, Zimmcrleute, Maler, Schlosser, Schmiede und Elektromonteure. Selbst so weit entsprechende deutsche Arbeiter vorhanden sind, ist die Besetzung der freien Stellen in manchen Gebieten schwierig, da der schwer bewegliche, angesessene und oft verheiratete deutsche Arbeiter für den interlokalen Stellenausgleich schwer zu verwenden ist. Der ostjüdische Arbeiter, der fremd nach Deutschland kommt, ist beliebig zu verschicken. Auch nimmt er mit der primitivsten Schlafstelle vorlieb, so dass er durch die Wohnungsnot nicht in dem Masse wie der deutsche Arbeiter gehindert wird. .Schwierigkeiten stellen sich dagegen der Unterbringung ungelernter 'Arbeiter entgegen, zu welchem auch diejenigen Kategorien gelernter Arbeiter gerechnet werden müssen,, deren Gewerbe augetnblicklich in Deutschland brach liegt. (Z. B. Schlächter, Bäcker.) Es sind dies weit mehr als 50% aller sich Meldenden. In den ersten Monaten nach der Demobilmachung erschien als die einzige Möglichkeit die Unterbringung ungelernter Arbeiter in der Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft litt durch das Herausziehen der Kriegsgefangenen und das Ausbleiben der polnischen Wanderarbeiter an Leutenot. Es war ein Experiment, das das Jüdische Arbeitsamt nur aus Not gezwungen unternahm, als es städtische Arbeiter auf das Land brachte. Ebenso wie bei den Versuchen mit Wen arbeitslosen deutschen Stadtarbeitern missglückte dies zum Teil. Denn die Verhältnisse in der deutschen Landwirtschaft, mit ihren geringen Löhnen, ihrer schlechten Behandlung und primitiven Wohnverhältnissen, die auf die anspruchslosen polnischen Wanderarbeiter zugeschnitten waren, zeigten sich in vielen Fällen unerträglich für den städtisches (und jüdisches Milieu des Ostens gewöhnten Arbeiter. Immerhin bewährte sich eine verhältnismässig grosse Zahl, so dass das Arbeitsamt auch in diesem Jahre ostjüdische Arbeiter in geringem Masse nach sorgfältiger Auswahl in die Landwirtschaft vermittelte. Als besonders gute Landarbeiter bewiesen sich die Chaluzim*), die durch ihre Einstellung auf die Landarbeit in Palästina für die Umschichtung besondere psychische Energien mitbrachten. *) Palästina — Pioniere.

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