Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 11-12 (10.3.1920)
- Article
- Ostjuden und Volkswirtschaft
- Date
- 1920-03-10
- Page
- Seite 252 (sequence 4)
- Language
- German
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252 __ -—-■--- In der folgenden Tabelle sind die Angaben von Ruppin*) den im Arbeitsamt ermittelten gegenüber gestellt. Es waren tätig in de*n nebenstehenden Berufsabteilungen von je 10 000 Juden Berufsabteilung Deutschland Österreich Russland Angaben des Arbeitsamtes Landwirtschaft . . . 128 1142 381 369 Industrie und Hand- 13463 2151 2867 6830 Handel und Verkehr . 4972 3826 4315 1113 Öffentl. Dienst, fr. Be¬ 647 723 630 262 Lohnarbeit wechselnder Art....... 210 543 661 \ Ohne Angabe . . . 522 150 ( 1426 Selbständige ohne Beruf ....... 1892 377 . 400; Aus einem Vergleich der Zahlen des Arbeitsamtes mit denen Ruppins geht hervor, dass eine starke Abwanderung aus dem Handel ins Handwerk und besonders in die Industrie im Laufe der letzten Jahre stattgefunden hat. Metallarbeiter .wie Schlosser, Dreher, Klempner, Monteure, die Ruppin in seiner Berufsstatistik der Ostjuden überhaupt nicht erwähnt, bilden heute schon ein Siebentel aller gewerblich vorgebildeten Arbeiter, eine Tatsache, die durch die dazwischenliegenden Kriegsjahre mit ihrer besonderen Industrie bedingt war. Entsprechend scheint der Prozentsatz der Schneider gesunken zu sein, denn während nach einer Ruppinschen Statistik unter allen überhaupt gewerblich Vorgebildeten 50°/o Schneider waren, stellt das Arbeitsamt nur 29o/o für Angehörige des Bekleidungsgewerbes fest, in denen noch dazu Mützenmacher, Kürschner usw. enthalten sind. Allerdings muss man dabei, wie überhaupt bei den Berufsangaben, berücksichtigen, dass sich nur ein Teil, wenn auch ein erheblicher, aller Flüchtlinge, im Jüdischen Arbeitsamt meldet, während die Ruppinsche Statistik die Zahlen eines amerikanischen Einwanderungsamtes verwendet. Da in Deutschland die Nachfrage nach Schneidern ausserordentlich gross ist, ist anzunehmen, dass ein nicht unbedeutender Prozentsatz eine Arbeitsstelle findet, ohne die Vermittlung des Jüdischen Arbeitsamtes in Anspruch zu nehmen, Bei dieser Gelegenheit sei eine der unverständlichsten Massnahmen des Berliner Demobilmachungsamtes erwähnt, das bei dem notorischen Mangel an Schneidern den Meistern die Einstellung von Gesellen, die vor .dem 1. August 1914 nicht in Berlin beschäftigt waren, verbietet. Gesuche um Befreiung von dem bestehenden Verbot ^werden bei Ostjuden fast immer abgesehlagen. •) Dr. Arthur Ruppin, „Die Juden der Gegenwart". Jüdischer Verlag. Berlin 1918.