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Neue jüdische Monatshefte · 1920-03-10 · Heft 11-12 (10.3.1920) · p. Seite 241

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 11-12 (10.3.1920)
Article
Razzia!
Date
1920-03-10
Page
Seite 241 (sequence 4)
Language
German
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241 müssen, der weiss genau, dass, wenn es bei dem heutigen System der Zuweisung überhaupt möglich ist, auf illegalem Wege eine Wohnung zu erlangen, dies nur unter erheblichen finanziellen Opfern geschehen kanm Sollte es vorgekommen sein, dass neben den 'zahlreichen baltischen- Baronen und Offizieren auch einige Juden im feinsten Berliner Westen Wohnungen erschlichen haben, so wird kein Mensch dagegen Einspruch erheben, wenn man gegen sie, & Ii nichlt nur »gegen die Juden, sondenf auch gegen alle sonstigen Ausländer, mit allen gesetzlichen Mitteln vongeht. Wenn man aber sich äng-stlich1 hütet, Leuten zu nahe zu treten, deren Zimmerzahl und Mietspreis gewisse Ziffern übersteigen, so soll man doch nicht glauben, dass man ungestraft" davon spredhen dürfe, dass! die Berliner Wohnungsnot durch die Ostjuden in der Grenadierstrassc verschärft werde. Auch hier gilt es, das plumpe und skrupellose Manöver zu enthüllen, dass die Behörden einen Sündenbock für ihre eigene Unzulänglichkeit suchen. Die Berliner Wohnungsnot ist eine Folge des Ungeschicks und der Unentschlossenheit derjenigen Behörden, deren Aufgabe es wäre, sie zu beseitigen. Wie wenig Psychologie müssen sie besitzen, dass sie glauben, mit einigen wenigen Redensarten ihr völliges Versagen auf Andere abwälzen zu können! Zwei Stilblüten des Herrn Ernst verdienen noch besonders hervorgehoben zu werden. Die Warnung vor dem „ostjüdischen Bolschewismus" und die Drohung mit dem Antisemitismus!. Es war gerade ein Regierungsvertreter, -der. vor 'einiger Zeit in der preussischen Landesversammlung feststellte: „Bolschewismus ist das, was einem nicht in den Kram passt!" Wie es sich vereinigen lässt, dass dieselben Leute, diie nach Herrn Emsts Meinung nur den einen Wunsch kennen, möglichst schnell Kapitalisten zu werden, gleichzeitig der bolschewistischen Weltanschauung angehören sollen, bedarf dringend der Erklärung. Den Hinweis auf die wachsende antisemitische Bewegung in Berlin empfinden wir als eine kaum noch versteckte Drohung. Wir möchten) wissen, zu welchem Zweck Herr Ernst Polizeipräsident von Berlin ist, wenn nidfat zu dem, die Einwohnerschaft vor Exzessen, also auch vor antisemitischen, zu bewahren. Nun sind ja die Erfahrungen, die speziell die Berliner Juden betr. ihres Sdhutzes durch Herrn Ernst gemacht haben, die denkbar schlechtesten. Aber nmsomehr sollte Herr Ernst sich doch hüten, derartige provokatorische Aeussenmgen zu tun, die von der anderen Seite gradezu als eine Aufforderung empfunden werden müssen. Es gibt genug Pogromhetze in Berlin. Einer amtlichen]Unterstützung bedarf sie wahrlich nicht. Und damit ist wohl für diesmal alles gesagt, Was gesagt werden muss. Wir Wiederhofen: alle Rhetorik des Berliner.Polizeipräsidenten wird nicht*darüber hinwegtäuschen, dass die Verfolgung der Ostjuden ein ebenso plumpes wie verächtliches .politisches Manöver ist, einzig zu dem Zweck veranstaltet, die politische Spannung an einer Stelle zu entladen, wo sie nur Unschuldigen gefährlich werden kann. *

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