Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1920)
- Article
- Ostjuden für Nordfrankreich
- Date
- 1920-02-10
- Page
- Seite 231 (sequence 2)
- Language
- German
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231 aber wäre Sache der Arbeiterverbände, die gewerkschaftlich1 und politisch die jüdischen Arbeiter vertreten. Poale Zion, der Bund, Hapoel-Hazair, Zeire Zion, Chaluzim, kurz alle hätten eine gemeinsame Zentrale für -diese Aktion einzusetzen, die sofort die nötigen Erhebungen über die Zahl Uer Arbeitswilligen und Arbeitsfähigen zu pflegen, durch die Einzelorganisation die Tüchtigsten auszuwählen, den Kollektiv-Vertrag auszuarbeiten hätte, wenn ihr die authentischen Daten über Art, Umfang, Dauer der Arbeit, über Unterkommen, Verpflegung usw. der Arbeiter, über die Art der Entlohnung (Tages-, Akkord-, Prämienarbeit usw.), über die hygienischen und rechtlichen Verhältnisse dieser Arbeiterkolonien zur Verfügung gestellt worden sind. — Diese Arbeiterzentrale wäre von den zur Auswanderung entschlossenen Arbeitern zur Abschliessung des Vertrages zu bevollmächtigen. Sie würde sich vor allem mit den französischen Gewerkschaften, respektive einer von diesen nominierten Stelle, ins Einvernehmen zu setzen haben; denn diese zeitweilige Arbeiterkokxnisation in Frankreich könnte eventuell sehr tief eingreifen in die Lebens- und Erwerbsverhältnisse der autochthonen französischen Arbeiter und eine feindselige Haltung der französischen Arbeiterschaft könnte nicht nur von schweren Folgen für diese einzelne jüdische Aktion werden, sondern auch im französischen Volke, was unbedingt vermieden werden müsste, bei Komplikationen eine feindselige Stimmung gegen das jüdische Volk überhaupt hervorrufen. Und über ein Uebermass von Sympathie verfügt momentan'das jüdische Volk mit seinen Ansprüchen auf Palästina zum mindesten Dei der französischen Regierung keineswegs. Oerade deshalb wäre aber die Beteiligung der jüdischen Arbeiter am Wiederaufbau Frankreichs auch in politischer Hinsicht erwünscht, nur, wie gesagt, so, dass durch klare Verträge Komplikationen nach Menschenmöglichkeit ausgeschaltet werden. Solche Verträge können aber für Arbeiter nur die Arbeiterverbände machen. Die zionistische Organisation wird, da es sich um ein eminent wichtiges Werk auch in Hinblick auf die spätere Arbeit in Palästina handelt, sicherlich jeden gewünschten möglidhen Beistand leisten, auch wenn sie nicht die Führung in dieser Aktion haben kann und soll. — Ausser mit den Arbeitern wird aber wohl noch mit einer ganzen Anzahl von Regierungen verhandelt werden müssen. Zunächst mit Frankreich, ob und unter welchen Modalitäten die Beteiligung jüdischer Arbeiterformationen erwünscht wäre. Dann mit allen Regierungen, aus deren Ländern jüdischer Arbeiter nach Frankreich gebratiht werden sollen, und last not least mit England, respektive der Mandatarmacht Palästinas, wegen Zusicherung ungestörter Einwanderung der in Frankreich beschäftigten jüdischen Arbeiter. Das alles wird nicht leicht sein und, selbst wenn es glückt, noch manchen schwierigen Fall ergeben. Umso mehr scheint mir die Notwendigkeit vorzuliegen, den modifizierten Hausmann- Hermannschen Vorschlag un\erzüglich gründlich zu erwägen; denn seihst wenn für diese Arbeiter später Palästina nicht in Frage käme, ist die Aktion bei der jetzigen kritischen Lage der Ostjuden und der Juden im allgemeinen sorgfältigster Erwägung wert." — Für die deutschen Verhältnisse sind diese Vorschläge deshalb von besonderer Bedeutung, weil ein grosser Teil der hierher einwandernden Ostjuden zur Kathegorie jener