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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 230

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Ostjuden für Nordfrankreich
Date
1920-02-10
Page
Seite 230 (sequence 1)
Language
German
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230 Emigration Ostjuden für Nordfranfcreich. In der letzten Zeit ist von verschiedenen Seiten in der jüdischen Presse der Plan dargelegt worden, der Notlage der jüdischen Massen im Osten dadurch etwas zu mildern, dass man sich bemüht, möglichst viele ostjüdische Arbeiter beim Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in Nord frank reich und Belgien beschäftigen zu lassen. Dieser Oedanke ist zuerst Man Dr. Alexander Hausmann im Icmbcrger „Tageblatt" ausgesprochen worden und zwar unter dein besonderen Gesichtspunkt, dass dieser Arbeitsaufenthalt In Westeuropa gleichsam .als Etappe für die Uebersiedlung nach Palästina angesehen werden soll. Es würde dieser Umweg für die Emigranten zwei nicht nicht zu unterschätzende Vorteile haben. Einmal würde ihnen der nach besten kolonisatorischen Grundsätzen und mit den modernsten technischen Hilfsmitteln unternommene Wiederaufbau eine nie wiederkehrende Gelegenheit zur Ausbildung in allen möglichen Arbeitsmethoden bieten und sie an die eigenartige Arbeitsdisziplin eines derartigen Aufbauwerkes gewöhnen — zweifellos eine gradezu ideale Schule für die zukünftige Arbeiterschaft Palästinas. Dann aber würde diese Arbeit die Möglichkeit bieten, aus Lohnüberschüssen die Reisekosten zu bestreiten, was für Auswanderer aus Ländern mit östlicher Valuta sonst nahezu unmöglich ist. — Diese erste Anregung ist dann von Leo Hermann im „Jüdischen Volksblatt" (Mährisch-Ostrau) aufgegriffen worden. Hermann schlagt vor, die nach Frankreich zu entsendenden Ostjuden nicht mit den polnischen, ukrainischen und so weiter Transporten dorthin gehen zu lassen, sondern eigene jüdische Arbeilerformationen zu bilden, die unter der Leitung der zionistischen Organisation stehen. Diese sei auch berufen, die nötigen Verhandlungen mit der französischen Regierung zu führen. — Unabhängig 'hiervon erörterte C. Z. Klötzel im Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz den Vorschlag Dr. Hausmanns. Klötzel weist darauf hin, dass die Verhandlungen in dieser Frage in einem Sinn geführt werden müssen, der prinzipiell von dem Gedanken ausgeht, dass die Regelung der jüdischen Wanderung und die Lösung des ostjüdischen Problems keine Privatangelegenheit des Judentums ist, sondern eine internationale Frage, Das Problem der jüdischen Arbeit (könne nur auf dem einen Wege der verantwortlichen Verhandlung des jüdischen Volkes überwunden werden. Vor allem seien die grossen Schwierigkeiten nicht zu übersehen. Für das Einverständnis/ beider Teile, der französischen Regierung und der'Ostjuden, seien gewisse Voraussetzungen nötigt die zum Teil erst geschaffen werden müssen« /Es gelte einerseits, die in. Frankreich ziemlich starke Furcht vor dem „ostjüdischeu Bolschewismus" zu zerstreuen, andererseits jene Arbeitsbedingungen zu erlangen, unter denen allein eine Anwerbung für die zerstörten Gebiete verantwortet werden kann. D-ieser Aufsatz hat auch im Osten durch' Abdruck im „Moment" (Warschau) Verbreitung gefunden. — Wege zur Verwirklichung des Planes, die durchaus gangbar erscheinen, weist Dr. Werner in der Zeitschrift „Der jüdische Sozialist". Er verkennt nicht die guten Dienste, welche die zionistische Organisation der Sache leisten könnte. „Die Hauptsache

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