Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1920)
- Article
- Ostjuden für Nordfrankreich
- Date
- 1920-02-10
- Page
- Seite 232 (sequence 3)
- Language
- German
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232 gehören, die sich in erster Linie nach Frankreich anwerben lassen Werden. Man wird daher sowohl von den staatlichen als von den jüdischen Instanzen in Deutschland weitgehende Unterstützung erwarten dürfen. Allerdings darf dies seitens der Gemeinden nicht etwa deshalb geschahen, weil sich hier eine „Abschubgelegenheit" bietet. Und die massgebenden jüdischen Kreise werden für die Wichtigkeit dieser Frage erheblich mehr Verständnis aufbringen müssen als der Vorstand einer Grossgemeinde, der jüngst auf die Bitte, zu dem Problem Stellung zu nehmen, wirklich nichts Besseres zu antworten wtisste, als dass „hierorts gegen den Plan prinzipielle Bedenken nicht vorliegen". — Der Minister für die jüdischen Angelegenheiten in Litauen hat telegrapliisch! das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris ersucht, bei den Wiederaufbauarbeiten in Frankreich und Belgien den litauischen Juden Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen. Sie können als Holz- und Möbelarbeiter, in welchem Fach sie viel Uebung haben, sich sehr nützlich inachen. Der polnische Arbeitsminister P a p lo w s k i hat sich kürzlich dahin ausgesprochen, dass eine starke jüdische Auswanderung nach Amerika zu erwarten sei und dass die Regierung sie nach) Kräften fördern -werde. Auf eine Anfrage des jüdischen Abg. Dr. Schipper, ob man daran denke, die Auswanderer vor Ausbeutung zu schützen, erhielt er die Antwort, dass die polnische Regierung daran gehen wolle, die Interessen der Angehörigen von Auswanderern gehörig zu schützen. Die Regierung wolle auch durch ihre diplomatischen Vertreter in Amerika dahin wirken, dass Verschärfungen der Einwanderung vermieden werden. Endlich habe der polnische Emigrationsattache in Amerika die Weisung erhalten, enge Beziehungen zu den amerikanisch-jüdischen Organisationen in Sachen der Einwanderung anzuknüpfen. □ ED El □ □ Literaturblatt 11-11 UHU UHU Wolff, Lion: Fünfzig Jahre Lebenserfahrungen eines jüdischen 'Lehrers und Schriftstellers. Leipzig, Verlag von Gustav Engel. 1919. 346 S. Ein Buch, das zunächst den Eindruck einer Familienangelegenheit macht, das aber bei näherem Zusehen als eine wahre Fundgrube für das Studium der kulturellen Verhältnisse im deutschen Judentum der letzten fünf Jahrzehnte sich erweist. Wenn man all das Kleinliche, Khiüemässige, aller igrosszügigen Wirkuiigsart Abgewandte des deutschen Judentums in seinen Ursachen, den inneren und den durch die Aussenweit bedingten, «recht verstehen will, begleite man diesen jüdischen Lehrer auf seinem! »Lebens- (und Leidenwege. Es ist ein schätzenswerter Glücksfall, dass unter den jüdischen „Schulmeistern", deren Stellung im jüdischen -Leben bezeichnend ist, wenigstens ein Mann mit schier überreicher Erfahrung und ungebrochener Seele in Form einer Biographie ausspricht, was ist: die Herrschaft jenes jüdischen „Notabeln Geistes", der nur graduell, nicht wesentlich verschieden ist, ob er als Dorfparness sein kleines oder als Grossgemeinden-Vorsteher sein grösseres Reich tyrannisiert. — Manche Anomalie unseres Gemeindelebens, manch schwerer Fehler in seinem Aufbau, manche Riickständigkeit in seinen Einrichtungen wird mit einer Eindringlichkeit geschildert, die von historischem /Wert ist. So die gradeztt klassische Schilderung der Entstehung der zahlreichen Privat - minjanim .in Berlin und in den Grossgemeinden überhaupt. — Bei dem reichen Inhalt und der aufrüttelnden Wirkung des Buches