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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 225

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Ausland
Date
1920-02-10
Page
Seite 225 (sequence 3)
Language
German
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225 die ja nur eine Karrikatur ist, bietet nicht die geringste Garantie und wirkt in ihrer Schwäche nur aufreizend auf böse Nachbarn. Ich würde es für richtighalten, der Entente dieses Geschenk lachend vor die Füsse zu werfen. Unser bester Schutz ist ehrliche und strikte Neutralität;. Je waffenloser wir sind, desto stärker sind wir. Erinnern Sie sich doch an das Schicksal Belgiens. Belgien hat zur Wahrung* seiner Neutralität, eine untaugliche Armee durch Jahrzehnte erhalten. Hätte es Tceine Armee gehabt, so wäre es schliesslich doch; zu seinem Recht gekommen und hätte den Bestand einer unzureichenden Armee nicht mit vielen tausend Menschenopfern und der Zerstörung blühender Städte bezahlen müssen. — Bleibt die Bestimmung der Armee als Schutz gegen Unruhen im Innern. Von einer anderen Bestimmung der Armee, auf welche von links und rechts spekuliert wird, will ich nicht viel sprechen. Ich meine da die reaktionären und die bolschewikischen Spekulanten, welche mit Hilfe einer Armee die Diktatur ihrer Klasse einrichten zu können glauben. Es wird keiner dieser Gruppen mehr gelingen, ihre Ziele aut diese Art durchzusetzen. Nicht dem kapitalistischen Militarismus, weldher mit gekauften Kanonen nach links geschossen hat, und nicht dem bolschewikischen Militarismus, welcher mit gestohlenen Kanonen nach rechts schiessen will. (Beifall.) — Ich finde es sonderbar, dass eine freie demokratische Republik nicht ohne Armee, welche innere Unruhen verhüten muss, auskommen soll. Ich denke, dass zur Erhaltung der Ordnung ein Ausbau der Polizei und Gendarmerie vollkommen ausreichen muss. Ich erachte es für unsinnig, 30 000 Menschen zu dem Zwecke anzuwerben, dass sie 10 Jahre herumlungern und nur auf den Moment passen sollen, wann im Staate Unruhen losbrechen. Die Versicherungen des Herrn Staatssekretärs, dass diese Söldner eine so ausgezeichnete wirtschaftliche und kulturefle Ausbildung erfahren werden, dass sich Wirtschaft und Wissenschaft nachher um sie reissen werden, kann ich nicht ernst nehmen. Ich warne die Herren vor dem sonderbaren Experiment, Menschen in Kasernen ziehen zu wollen. Erziehen Sie sie doch lieber in den Schulen! Schon vom Standpunkt der Kosten ist der Plan unsinnig. 30 000 Söldner kosten drei Millionen im Tage, also über ein und ein Viertel (Milliarden im Jahr. Das (übertrifft das jährliche Ergebnis der Vermögensabgabe. Und dieses- Geld \will man für die famose Erziehung in der Kaserne aufwenden. Dann bitte ich auch, sich bezüglidii des zu erwartenden Menschenmaterials keinen Illusionen hinzugeben. Sie werden Menschen bekommen, die im Kampfe um das Dasein Schiffbruch erlitten haben oder solche, die zu feig sind, diesen Kampf aufzunehmen. Es wird auch ein neuer Militarismus entstehen. 30 000 Menschen, welche den ganzen Tag faulenzen, werden schliesslich das Bedürfnis haben, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen, es wird sich innerhalb dieser Kaste eine neue Lebcnsanschauung entwickeln, welche eine Kopie des alten militäiisdhen Kastengeistes sein wird. Durch Ausgestaltung der Polizei und der Gendarmerie kann der Zweck, die Ordnung zu garantieren, besser und billiger erreicht werden. Ich bitte, sich nur nicht an die alten Begriffe von Polizei und Gendarmerie zu klammern, denn dann könnten Sie mir ja .entgegenhalten, dass eben 30 000 Polizisten und Gendarmen ebenso herumlungern

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