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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 226

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Ausland
Date
1920-02-10
Page
Seite 226 (sequence 4)
Language
German
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226 würden. Meiner Ansicht nach könnten die Örgane der neuen Polizei im Dienste der Sanität, der sozialen Fürsorge, der kleinen gewerblichen Inspektion, fcur/. in allen niederen und mittleren Kontroll- und 'fnspektionsldiensten verwendet werden. Im Falle der Gefahr brauchte man sie nur als diensttuende Ordnungsgruppe zusammenzufassen. Ich befürchte für die allernächste Zeit schon einen schweren Konflikt zwischen den Parteien, gerade wegen der Armee, die nach Ihrem Plane Ordnung schaffen soll. Ich halte es für ausgeschlossen, dass sich die rechten und linken Parteien trotz Koalition in der Frage der Armee einigen könnten. Diese unglückliche, überflüssige Armee wird einen ewigen Zankapfel abgeben und ihr Bestand wird nur Unruhe und Unordnung hervorrufen." U. St. Am Im europäischen Judentum und insbesondere im europäischen Zionismus' ist man allgemein der' Auffassung, dass sowohl die innerjüdische Entwicklung im amerikanischen Judentum wie die aussenpolitteehe und wirtschaftliche Lage der amerikanischen Juden sie zur führenden Gruppe in der jüdischen Politik prädestinieren." Das1 spricht sich sowohl in den Erwartungen auf eine aussergewöhnliche finanzielle Hilfeleistung seitens' des amerikanischen Judentums für Palästina und den europäischen Osten aus', wie in der Rücksichtnahme auf die amerikanische Judenschaft bei allen in Frage kommenden allweltlich organisierten jüdischen Gruppen. Es' ist deshalb eine Information von Interesse, die uns Meyer Grossmann in einem Artikel: „Die jüdische Weltpolitik und die amerikj nischen Juden" („The present Haint", New- York, vom 21. Januar) gibt und welche die europäische Auffassung in vieler Hinsicht zu berichtigen geeignet erscheint. Danach macht sich im amerikanischen Judentum seit längerer Zeit ein Prinzip geltend, das man als die ins Jüdis'che übertragene Monroe-Doktrin bezeichnen könnte. Es ist eine auffallende und bedeutungsvolle Tatsache, dass die amerikanische Judenschaft in den beiden Zentren der jüdischen Politik, beim Komitee der jüdischen Delegationen in Paris und beim Zionistischen Zentralbüro in London keine Vertretung haben. Grossmann glaubt hier den verderblichen Einfluss politischer „Amerikanisierung" feststellen zu müssen: "weil an der Tafel des Völkerbundes der Stuhl der Vereinigten Staaten noch leer steht, enthielten sich die amerikanischen Juden der Teilnahme an den zentralen Institutionen der jüdischen Weltpolitik. Die Furcht ,etwas von der insularen Selbständigkeit gegenüber der sich anbahnenden politischen Gemeinwirtschaft Europas' abgeben zu müssen, welche die U. S.A. vom Völkerbund fem hält, färbe ab auf das amerikanisierte Judentum, das nun seinerseits dem sich bildenden „Waad haarazoth" (Länderrat) keine Beeinflussung der eigenen jüdischen Lebensformen zugestehen wolle. — Trifft diese Darstellung zu, so haben wir es hier mit einer AssimilationßersCheinung politischer Art zu tun, die nicht nur für die Gegenwart sehr bedeutungsvoll sondern auch vom volks]>syehologis'chen Standpunkt aus sehr interessant ist. Denn während in Europa sich die Juden sehr oft hinter politischen Prinzipien und Programmen verstecken, um als Juden dahinter zu verschwinden, scheinen die amerikanischen Juden zu glauben, durch die ins Jüdische über-

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