Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1920)
- Article
- Ein Siedlungshaus für Palästina
- Date
- 1920-02-10
- Page
- Seite 210 (sequence 3)
- Language
- German
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210 heisst mit den geringsten Mitteln Baulichkeiten herzustellen, die solide sind, und möglichst geringe Unterhaltungskosten erfordern. Ueber allen diesen teils widerstreitenden, teils zusammenwirkenden Anforderungen! schwebt das niemals' zu vernachlässigende Axiom der Schönheit des Ganzen» und seiner Teile; das Bewusstsein, dass jeder Bau, und sei er noch so klein und unbedeutend, eine JKulturtat ist, ein Dokument 'aus Stein, das für viele Jahre, ja für Generationen ein Gradmesser für die Grösse einer Idee und für Fähigkeit ist, einer Zeit einen künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Von, diesen Gedanken, von diesen Anforderungen, die ein Architekt an sich selbst stellt, und besonders 'von dem letztgenannten höchsten Erfordernis der Schönheit weiss1 das Gros des jüdischen Volkes nichts, ja es will auch wohl gar nichts davon 'wissen; und an diesem Mangel an Verständnis dafür, dass Bauen eine Kunst ist, liegt es, dass das bürgerliche Bauwesen in Palästina vor dem Kriege so sehr im Argen lag. Man verzeihe die Abschweifung auf ein Gebiet, das selbst vielen gebildeten Juden Neuland ist, aber es kommt in diesen Monaten, die die ^Bebauung Palästinas vorbereiten, darauf an, den Männern, die diese unerhört verantwortungsvolle Aufgabe vorzubereiten haben, die Wichtigkeit dieser Gesichtspunkte vor Augen zu führen, Die Siedlungstätigkeit in Deutschland hat ergeben, dass sich die Erfordernisse an Raum und Raumgrösse der Gebäude je nach der Kopfzähl der Familien auf wenige bestimmte Gruppen beschränken, dass also gewisse Haustypen immer wiederkehren, die sich allmählich herauskristallisiert haben und sich in der Praxis vortrefflich bewähren. Diese Typen Variieren nach der geographischen Lage und den dadurch bedingten verschiedenartigen Lebensgewohnheiten der Bewohner. Im allgemeinen (findet man, dass in demselben deutschen Landstrich sich die 'Hausgrundriss^ der verschiedenen Siedelungen ausserordentlich ähnlich sehen. Der Raumbedarf beschränkt sich zumeist auf ein Wohnzimmer, 1 Schläfzimmer der Eltern, je 1 Schlafraum für die Kinder nach Geschlechtern getrennt, eine Küche, meist mit einem kleinen Abwaschraumj verbunden, der die Badewanne enthält, eine kleine Speisekammer, einen Kellerrauimj ' der als Waschküche dient,, einen Abort und einen Stall für Hühner oder ein paar Ziegen. In manchen Gegenden Deutschlands ist Küche und Wohnzimmer in der sogenannten Wohnküche vereinigt. Auch für Palästina mit seinem gänzlich vom deutschen verschiedenen Klima sind von Mitgliedern der Architektengruppe des Verbandes Jüdischer Ingenieure eine ganze Reihe von Siedlerhaustypen entworfen worden. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass bei den enormen klimatischen Verschiedenheiten der palästinensischen Küste, des judäischen Berglandcs und des Jordantales' verschiedene Typen erforderlich sind, dass ferner der Typ eines1 ländlichen Siedlerhauses für einen Bauern oder Gemüsezüchter anders gestaltet sein muss als der eines städtischen Siedlerhauses. Daraus ergibt sich eine stattliche Zahl von Hausplänen, aus denen je nach den besonderen Bedürfnissen der betreffenden Familien, ferner je nach Kier Gegend, w;o sich die Familie ansiedelt^ und schliesslich je nachdem, ob es sich um eine städtische oder ländliche