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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 206

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Anitta Müller
Date
1920-02-10
Page
Seite 206 (sequence 4)
Language
German
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206 Kinderkolonie Heimstätte für erwerbende Frauen und Mädchen Knabenheim Mädchenheim Hilfsbureau Sozial-Archiv Bisherige Leistungen insgesamt seit September 1914: die Arbeitsschule hat 4000 Frauen und Mädchen Verdienst verschafft» die Wöchnerinnenfürsorge versorgte 3500 Frauen, die Säuglingsfürsorge betreute 1700 Säuglinge, die Kinderfürsorge versorgte insgesamt 3600 Kinder, das Mütterheim betreute 615 Frauen an 5766 Tagen, das Hilfsbureau erteilte in 1800 Fällen Rat und Hilfe, die Suppen- und Tee-Anstalt verteilte 3 263 611 Portionen, das Mädchenheim versorgte 40 Mädchen, *~ * * Selbstredend können keine Tabellen auch nur annähernd eine Vorstellung geben von dem, was hierin enthalten ist. Man lese die gedruckten Jahresberichte nach, oder weit besser — um die ganze Grösse, urrt den sozialen Geist dieses Hilfswerks wirklich zu verstehen, muss man die Stätten der Arbeit und der Fürsorge selbst sehen und die fragen, die darin leben und geben und empfangen. Denn der Geist, der in jedem der Räume waltet, ist es, der dieses Fürsorge-Werk heraushebt aus der grossen Menge ähnlicher philantropischer Institutionen. Hier wird nicht nur einer momentanen dringenden Not geholfen, hier legt man nicht nur ein heilendes Pflaster auf schlimmste Elendswunden — hier sieht man die eigentliche Aufgabe darin, über die Zeit der Hilfeleistung hinaus zu wirken, den Hilfsbedürftigen zu einem nützlichen Mitglied der Menschheit zu machen, im besten Sinne soziale Arbeit zu leisten. Die Arbeitsschule hat in den 4%. Jahren ihres Bestehens nicht nur 4000 Mädchen in ihrer Not Arbeit gegeben; sie hat Ungelernte ausgebildet, Handfertigkeit entwickeln helfen, hat den künstlerischen Sinn der Arbeitenden geweckt. Sie lehrte in unentgeltlichen Kursen die Mädchen letzte Technik, der modernen Handarbeit, sie verschaffte ihnen Material, besorgte den Absatz, und heute sieht man im Aulsstellungszimmer der Schule eine Fülle von Gegenständen, die den Vergleich mit den besten Erzeugnissen künstlerischer Werkstätten aushalten und den geschickten Arbeiterinnen, unter denen sich viele Frauen mit guter Bildung befinden, einen sehr respektablen Verdienst gewähren. Das Jahres-Budget der Schule beläuft sich derzeit auf 300 000 Kr. Vom gleichen Gesichtspunkt aus, nämlich der Heranbildung nützlicher produktiver Menschen, werden auch alle Horte und Heime für die Kinder geleitet. Die Kinderfürsorge ist das ganz spezielle Sorgenkind iür Arütta Müller. Darum sind auch jetzt, nachdem der grösste Teil der Flüchtlinge abgeströmt ist und die Suppenanstalt und das Mütterheun ihre segensreiche Tätigkeit anderen Gebieten zuwenden konnten, die Insti-

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