Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1920)
- Article
- Grossbritanniens Judenpolitik
- Date
- 1920-02-10
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
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201 dennoch nicht müde, die Freimaurer zu verleumden. Die wahren Ziele dieses Bundes1 hat der verstorbene Earl Horatio Herbert Kitchen e r, der so hervorragende britische Feldmarschall, in trefflicher Weise dargelegt. Gelegentlich eines freimaurerischen Bankettes* in Britisch-Indien sagte er:1) „. . . I. n t h i s 'coun t r y, brethren, we have a vaste fieldforthe developmentofthecraft, and ofthus drawing together different classes, creeds, and nationaleres into the ojne harmonious embrace of our masonic b ro t h e r1 - h o od. . , („In diesem Lande, meine Brüder, haben wir ein weites Feld für die Entwicklung der [freimaurerischen] Kunst, nämlich: verschiedene Klassen, Glaubensbekenntnisse und Nationalitäten in der einen harmonischen Umschliessung unseres maurerischen Bruderbundes zusammenzufassen/') Seit dem 24. Juni 1717, dem Gründlingstage der englischen Freimaurerei und damit der Freimaurerei überhaupt, gehören sehr viele britische Staatsmänner diesem Orden an, in neuerer Zeit ausser dem sthon genannten Kit ebener noch Ministe David Lloyd George, Lord Edward G r e y, sowie der verstorbene König Edward VII. (Audi der jetzige Erbe der britischen Krone, Edward, prince of Wales, hat sich vor kurzem dem Freimaurerbunde angeschlossen). DeriÖrden der Freimaurer lehrt die Ehrfurcht vor Gott und die Liebe zur Menschheit; dass diese Lehre gerade von England ihren 'Ausgang genommen hat, ist gewiss bemerkenswert, sicher ist aber, dass die bewahrte Toleranz Grossbritanniens durch seine freimaurerischen Regierungen wesentlich bedingt worden ist. (Man wende nicht ein, dass in England eine Aliens Act Gesetz wurde: die Handhabung trifft keine Pogromflüchtlinge, ist durchaus menschlich und im Rahmen des Erforderlichen. Hand aufs Herz: duo, sifaciunt idem, non est idem! Worüber wir uns wohl alle einig sind.) Wir haben bislang die eine Seite der grossbritannischen Judenpolitik betrachtet: die Judenpolitik gegenüber dem Einzeljuden. Es bleibt die andere Seite: die Politik gegenüber dem Judentum als Nation. Man .weiss, dass lange vor der Erklärung Mr. Balfours die britische Regierung (unter Minister Joe Chambe riain, zur Zeit der Herrschaft des verstorbenen Königs Edward) zu wiederholten Malen an die zionistischen Führer herangetreten ist (Et-Arish-Expcd. 1903, Uganda - Angebot 1904). Damals war es nicht möglich, von der Hochherzigkeit der britischen Regierung Gebrauch zu machen. Diese Möglichkeit trat erst ein durch die mehrmals erwähnte Erklärung Mr. B a 1 - fours. Zunächst wurde das heilige Land befreit (9. 12. 1917 gleich 24. Kislev 5678 Einnahme der Heiligen Stadt durch Feldmarschall Sir Edmond Allenby und seine Truppen), im eroberten Teile eine geordnete und rechtliche Verwaltung eingeführt, jüdische Kriegsfreiwillige schliessen sich den Fahnen an. Im Herbst 191S Wiederbeginn des Feldzuges, Befreiung des gesamten Heiligen Landes. Grundsteinlegung der hebräischer. Universität zu Jerusalem (Dr. C h a j i m Wcizmaitn; Sir x) Rye and Gros er, Kitchener in his own words (London 1917) p. 297 f., 5*