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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 202

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Grossbritanniens Judenpolitik
Date
1920-02-10
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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202 Edmond, als Vertreter der britischen Regierung, hält eine Rede in hebräisdier Sprache). Sollte, was wohl anzunehmen ist, das Heilige Land schliesslich Besitz des Britischen Reiches sein, ist die britische Juden- und Araberpolitik im Heiligen Lande so zu beurteilen wie die britische Franzosenpolitik in Canada, die britische Burenpolitik in der Südafrikanischen Union: unbeschadet der Zugehörigkeit zum britischen Gesamtreiche wahrt ein jedes Volk seine kulturelle Besonderheit. Wie es gemeint ist, sieht man am Beispiel der Boy scout-Bewegung (begründet 1908 durch General-Leutnant Sir R o b e r t B a d e n - P o w e 11). Es gibt in Canada, wie Sir Robert hervorhebt, eine britische und eine französische, in Südafrika eine britische und eine burische Boy scout- Bewegung:2) ebenso gabt es charakteristischerweise bereits jetzt eine jüdische Boy scout - Bewegung im Heiligen Lande und eine arabische Boy scout- Bewegung in Mesopotamien. Auch jenseits' der Grenzen des Grossbritannischen Reiches gibt es eine Boy scout-Bewegung, so z. B. in Argentinien, Schweden, Dänemark, den Vereinigten Staaten [usw.: ein Band der Sympathie und Kameradschaft nicht nur zwischen Gross- Britartnien und seinen Dependenzen, sondern auch zwischen dem Britischen Reiche und den anderen Nationen, ein Umstand der, wie Sir Robert sagt, dem Weltfrieden nur dienlich sein kann (such a s cannot but be dondueive to peace in the world).3). Der 'Leser, der diesen Ausführungen freundlich gefolgt ist, wird einwenden, dass zwischen der Judenpolitik Grossbritanniens gegenüber dem einzelnen Juden und der Judenpolitik Grossbritanniens! gegenüber dem Judentum als Nation ein Widerspruch zu klaffen scheine; so weit ich sehe, ist das ein Irrtum: genau wie ein Welshman, Canadafranzose oder Jersey-Franzose etwa, der in London lebt, sich dem Engländertume einordnet, genau so der englische Jude. Ein Beispiel: Minister David-Lloyd George, der Welshman, ist er deswegen etwa ein weniger guter Engländer oder gar ein weniger guter Gross-Britannier? Man wird zugeben, dass zwischen der Judenpolitik Grossbritanniens gegenüber dem einzelnen Juden und der Judenpolitik GrossbritanniemS gegenüber dem Judentum als Nation ein Widerspruch nicht besteht: beidemal der nämliche Geist der Freiheit und der Toleranz. Wenn ich für -mein Teil über die grossbritannische gesamte Judenpolitik hier urteilen soll, kann ich es hur mit den Worten von Mr. Albert iM. Hyamson tun:4) „B(ritain's single-hearted friendship ror the Jews is of Hong standin g, centuries old. And worldi-Jewry's gratitude is equalTy well founded and well j u s t i f i e d." („Britanniens redliche Freunds'chaft für die Juden ist von altem Bestände, Jahrhunderte alt. Und der Gesamtjudenheit Dankbarkeit ist gleichermassen wohlbegründet und wohlgerechtfertigt.") 2) Scouting for Boys. (London 1919) p. 307. 3) ibidem. 4) Great Britain and the Jews (London 1918), p. 11.

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