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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 200

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Grossbritanniens Judenpolitik
Date
1920-02-10
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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200 worden. Das Bürgertum, in Zünften und Korporationen, d. h. rechtsgenossenschaftlich organisiert, hat alle 'Macht, der König ist das Haupt des Staates nur insoferne er als vollziehende Gewalt die Macht des Volkes zusammenfasst. Bei dieser Rechtslage war es* gegeben, dass die Emanzipation der Juden sich in ganz anderer Weise vollzog, als' auf dem europäischen Festland. Die typisch-kontinentale Form zeigt hier Preussen. Dort wurde (dem Druck der französischen Entwicklung nachgebend, nicht etwa freiwillig) verordnet, dass die Juden ab 11. III. 1812 mit den christlichen Bewohnern des Landes gleichberechtigt sein sollten. Nun, sie „sollten" 1912 noch ungefähr ebenso. Anders in England. Gewiss hatte man dort A. D. 1753 ein Geselz gemacht, wonach allen Fremden nach dreijährigem Aufenthalte auch ohne vorher das Abendmahl in anglikanischer Weise genommen zu haben, die Aufnahme in den Verband des englischen Staates" möglich sein sollte. Man war aber durch den Willen des Volkes gezwungen worden, das Gesetz sofort wieder aufzuheben (1754). Die Emanzipation der Juden verlief in England so, dass' die Juden infolge der Achtung, in der sie bei ihren Mitbürgern standen, nach und nach die formelle Gleichberechtigung durch die tatsächliche Gleichstellung erlangten, schliesslich wurden sie zu allen Rechten und Korporationen zugelassen: 1723 zum Erwerb von Grundeigentum, 1833 'zur Advokatur, 1835 zum Amt des Grafschaftsrichters, 1845 zur Aldermanswürde, 185S zum Parlament, 1870 zu den Universitäten Oxford und Cambridge. So kann es nicht wundernehmen, dass Juden für würdig befunden werden, Minister zu isein (Mr. Herbert Samuel, Sir A 1 f.r e d M o n d), die Würde eines Gouverneurs zu bekleiden (Sir 'Matthew Nathan), als General ein Heer zu führen (Sir John Monash), als Botschafter die Interessen Gross-Britanniens wahrzunehmen (Sir Rufus Isaacs, jetzt Earl Reading genannt), kurz: sich im Dienste des1 Reiches zu bewähren. Die in England gewählte Form der Emanzipation hatte den grossen Vorteil, die Juden auf die bürgerlichen Berufe gleichmässig zu verteilen; da alle Berufe offenstehen, war es nirgendwo möglich, dass die Juden auf bestimmte Gewerbe zusammengedrängt wurden. In keinem Beruf erlangten die Juden die Mehrheit und werden infolgedessen auch nirgends als lästige Konkurrenz empfunden. Im übrigen ist wohl sicher, dass die Geldmittel der Juden der Entwicklung der britischen Prosperität immerhin zu nicht unwesentlichem Nutzen gereichten. Da die beiden grossen politischen Parteien Englands, die Unionisten und die Liberalen gleich freiheitlich gesinnt und bürgerlich gerichtet sind, konnte es nicht fehlen, dass die Juden sich auf beide Parteien verteilten. Die Parteibildung ist in 'England, wie mir scheint, überhaupt völlig anders als auf dem Festlande, im Grunde genommen gibt es, soweit ich sehe, dort wohl nur eine einzige Partei: England. Der englischfreimaurerische Toleranzgedanke. Obgleich Leute wie Benjamin Franklin,GeorgeWashington, Goethe,. Lessing, Herder, Mozart und andere verehrungswürdige Männer diesem Orden angehörten, wird eine gewisse Presse

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