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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 168

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Zur Frage der Westjuden
Date
1920-01-10
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168, Hebend und mit einem starkeil Hang zum Weltbürgertum behaftet. Und wenn in den, letzten Jahren Tausende und Abertausende in den Sünden des Nationalismus und Chauvinismus — die deutsche Sprache kennt hierfür keine Bezeichnungen — befangen gewesen sind — wegen der vielenerlcuchteten G e i s t e r, d i e trotz tinerhörter Dranns a 1 i e r u n g Deutschlands die Gedanken des Menschentums weiter hoch halten und andererseits auch w e g e n d e r vielen Juden, die an den ^Hassgesängen4c teilgenommen, ist kein deutscher Jude berechtigt, einen Stein a u f d i c anderen zu werfen. Im Grunde genommen ist Hermann mit seinem künstlich konstruierten Gegensatz zwischen Judentum und Deutschtum auf eine falsche Fährte geraten. Woran er leidet, ist, wenn man tiefer blickt, nicht das Peutschtum, (sondern der Staat, als Begriff, als Mächtfaktor. Tolstoi'sche, kommunistische Ideen haben es ihm angetan. Und nun das Merkwürdige. Aus dem Widerspruch gegen die Bejahung des Staatsgedankens, des deutschen oder w e s t e u r o p ä i s c h e n Nationalismus ist er in die Fallstricke des jüdischen Nationalismus geraten. Noch lehnt er zwar den Zionismus ab, aber, wie er selbst sagt, nicht mehr so unbedingt, wie vor wenigen Jahren. Seine Gedankengänge sind ganz zionistisch, nur übertrifft er viele Anhänger dieser Bewegung noch in jüdischem Rassendünkel. Die überhebliche Art, mit der Her rn a n n zwischen jüdischem und deutschem Wesen den Trennungsstrich zieht, ist von zukunftssuchender Menschlichkeit weiten weit entfernt. Das ist nicht Menschentum in reinem Sinne, sondern der alte Nationalismus. Was ist auch der ganze Z i o n i s m u s a n - d e r s , als ein letztes, sicherlich e l e in e n t a r e s , aber hoffnungsloses Aufflammen des jüdischen Nationalbewusstscins, das dem endgültigen u n e n t r i n n b a r e n Aufgehen des alten Stammes in den umgebenden Völkern noch einen Damm entgegensetzen möchte! Der politische Zionismus will aus den Juden wieder ein Volk unter den übrigen Völkern inachen. Die Zukunft der Menschheit kann durch die Begründung eines neuen abhängigen Kleinstaats nicht gewinnen. Aber auch den ethischen, den Kultur-Zionismus müsste der ablehnen, der das reine Menschentum der Zukunft, die Ueberwindung nationaler Begrenztheiten und Vorurteile ersehnt. Auch der geistige Zionismus — es ist hier nur vom Westjudentum die Rede •'— saugt seine Kraft daraus, dass die Juden die ältesten Nationalisten der Welt sind. Aber es ist ein kranker Nationalismus ohne Zukunft, ohne den immer frisch sprudelnden reinen. Quell der Vaterlands- und Heimatsliebc, ein Fühlen, aber kein wirkliches Sein. Wer ia!s Jude in sich die schöne Aufgabe fühlt, dem reinen Menschentum zu dienen, darf nicht damit beginnen, sich mit einer nationalen Schranke zu umgeben und von angemasster Höhe herab den „Anderen** bittere Dinge zu sagen. Er darf auch nicht glauben, Menschlichkeit und Völkerverbrüderung setzten Verneinung des Staates, Auflösung oder Zersetzung cier natürlich gewachsenen Volksgemeinschaften voraus, Geschehnisse, die immer mit irgendwelchem Terror Hand in Hand gehen. Nicht aus Wut-

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