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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 167

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Zur Frage der Westjuden
Date
1920-01-10
Page
Seite 167 (sequence 3)
Language
German
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167 an Andrew Carnegie mit seinen grossartigen sozialen Schöpfungen nicht vorübergehen dürfen. Was Friedrich Krupp, wenn auch in patriarchalischen Anschauungen befangen, für die Wohlfahrt seiner Arbeiter geschaffen hat, wiegt sicherlich die gleichartigen Leistungen von jüdischer Seite reichlich auf. Und was Rat hen au betrifft, so ist es gewiss wahr, dass er auch „Zukunft denkt". Aber dieser Mann mit seiner zwiespältigen Seele ist gleichzeitig einer der prominentesten Vertreter des deutscheu Staats- und Machtgedarrkens gewesen. Als Organisator der deutscheu Kriegswirtschaft hat er auf wirtschaftlichem Gebiet einen Militarismus begründet, der z. B. den "belgischen Dichter Verhaeren veranlasste, die organisatorische, rein verstandesmässige Art des Judentums mit dem Preussentum auf eine Stufe zu stellen. Das war — ob mit Recht oder Unrecht — das Gefühl eines edlen christlichen Denkers. Und ähnlich haben sich über Rathenaus System auch deutsche Volks Wirtschaftler geäussert. Das wirklich treffende Beispiel eines Kapitalisten, der „Zukunft dachte", hätte Hermann aber in dem Deutschen Ernst A b b e - Jena finden können. Weiter spricht Her m a n n rühmend von all den Juden, die in vielen Ländern als sozialistische Vorkämpfer aufgetreten sind. Ohne mit ihm in eine Auseinandersetzung über die Bedeutung aller von ihm genannten Personen eintreten zu wollen, muss doch gesagt werden, dass er hier ausserordentlich einseitig vorgeht. Selbst von zionistischer Seite (Klötzel "in Nr. 61 der Jüdischen Rundschau) ist ihm entgegengehalten worden, dass es im Deutschtum auch einen L Kb k n e cht, einen Da u m 1 g , einen Ledebour und viele andere gleichen Wesens gäbe. Singer wird von Hermann genannt, aber kein Wort von Bebel. Von Russen nennt er Trotzky, aber über Lenin schweigt er, und der Name Tolstoi aus dessen Geist der ganze Uleengang Hermanns offenbar geboren ist, findet sich nur ganz beiläufig erwähnt. Es ist gar kein Zweifel, dass die christlich-europäische Kultur in: Krieg einen schweren Zusammenbruch erlitten hat, der jeden Menschenfreund mit tiefem Schmerz erfüllt. Aber vergeblich würde das Judentum versuchen, sich von der Mitschuld frei zu macheu. Alles, was von der Schuld am Krieg, an der Volksverhetzimg auf cfas Konto des Kapitalismus und der Presse kommt, davon tragen auch Juden ihr Teil. In den Synagogen ist mit derselben fnbrunst der Sieg der deutschen, französischen usw. Waffen erfleht worden, wie in den Kirchen, und die Anneerabhiner werden selbst nicht zugeben, dass sie in anderem Sinne gewirkt hätten, als ihre christlichen Kollegen. Lange vor Hermann sprach schon Prinz Max von Baden mit tiefern Bedauern von dem „Moratoriinn der Bergpredigt'', und zahlreiche Männer und Frauen des christlich-europäischen Kulturkreises sind bestrebt, die abgerissenen Brücken zwischen den Völkern wieder aufzubauen und über allen trennenden Nationalismus die Einheit des Menschentums zu verkünden. Von Franzosen seien nur genannt Romain-Rolland und Barbusse, von Deutschen Schücki ng, Q u i d d e, F. W. Förster, Max Weber, der Dichter Ernst von Unruh, denen noch viele andere anzureihen wären. Gerade der Deutsche ist in seiner innersten Natur frieu-

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