Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Zur Gesundheitsfrage in Palästina
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 163 (sequence 10)
- Language
- German
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163 Diesen alten Ghettobewohnern fehlt noch der Sinn für Sauberkeit, der sich in den ländlichen Kolonien schon in der nächsten Generation mit zunehmender Bildung und wachsenden Wohlstand rasch einstellt. Die Häuser in den jüdischen Kolonien sind nicht unter Zugrund- Iegung von Tropenerfahrungen gebaut. Man sieht selten breite, gegen Sonne geschützte Terassen, nach denen sich die Zimmer mit grossen Türen öffnen, die dem Winde Durchzug gestatten. Ventilatoren selbst einfachster Art fehlen allgemein. Wenn die elektrischen Zentralen gebaut werden sollen, würde man mit Vorteil von elektrischen Ventilatoren Gebrauch machen, die sich sehr gut bewährt haben. Bis dahin sollte man mechanische Windmacher einführen. Die Abort an lagen sind meistens ohne Sitzgelegenheit und bei der grossen Wasserknappheit ohne Spülung. Trotzdem sind sie im allgemeinen nicht zu beanstanden, wenn die Senkgruben sicher geschlossen und ohne Verbindung mit den Zisternen oder Brunneu sind. Auch ist für Fliegen- und Mückeni'reiheit zu sorgen, dann die Fliegen können leicht Krankheitskeime übertragen, und die Malariamücken bevorzugen die Aborte. Die infizierenden Mückenstiche finden häufig während der Entleerungen statt. Die T r i n k w a s s e r v e r h ä 11 n i s s e sind oft schlecht. Gegen eine gut gehaltene Zisterne ist hygienisch nichts einzuwenden. Aber nur die wenigsten Zisternen sind gut gehalten. Zunächst müssen die D-ächen und Rinnen, die den Regen sammeln, peinlich sauber sein. Die ersten Regengüsse dürfen noch nicht in die Zisternen geleistet werden, weil sie das Dach erst reinspülen sollen. Während der Regenzieit muss das Betreten der Dächer mit Schuhen verboten sein. Die Entnahme des Wassers geschieht noch meistens mit Schöpfeimern; das ist ganz unzulässig, weil erstens eine viel zu grosse Entnahmeöffnuug dafür nötig ist, durch die der Staub und Schmutz eindringen kann und weil zweitens die Eimer mit schmutzigen Händen berührt und zum Trinken oder gar zum Tränken benutzt werden. Eine fest schliessende, je nach dem Wasserstand verstellbare Pumpe ist unerlässlich, auch viel sparsamer. Dasselbe gilt für Brunnen. Mit einer gut eingesetzten Pumpe, die womöglich neben der Zisterne steht, damit das Spülwasser nicht zurücksickern kann, ist auch den Malariamücken der Zutritt zur Zisterne verwehrt. Zum K ü Ii 1 e n des Trink w a s s e r s benutzt man allgemein poröse Tonkrüge (arab. Dscherren) auf deren Oberfläche immer etwas durchgesickertes Wasser verdunstet und den Inhalt kühl hält. Eine gute Dscherrc muss aussen stark feucht sein. Sie erhält das Wasser in einer sehr angenehmen Temperatur, die mir gesünder erscheint als die der sonst in den Tropen beliebten Eisgetränke. Die Tougefasse müssen oft erneuert werden, da sich die Poren leicht verstopfen und dann das Siekern und damit die Kühlwirkung aufhört. Eisanlagen fehlen in den Kolonien und kleinen Städten noch völlig, sind aber sehr erwünscht. Die Ernährung ist unter den Kriegsverhältnissen natürlich schlechter gewesen als in Friedeuszeiten. Durch die Hitze tritt beim Europäer leicht Appetitlosigkeit und mangelnder Salzsäuregehalt des Magens ein, diesem Zustande, der auch oft zu Abmagerung, Durchfällen um!