Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Zur Gesundheitsfrage in Palästina
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 164 (sequence 11)
- Language
- German
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164 Arbeitsunlust führt, muss durch abwechslungsreiche, gut zubereitete. Kost begegnet werden. Man halte sich an -die vielen wohlschmeckenden einheimischen Gemüse und Früchte, man lerne die appetitanregenden Salzoliven essen. Der Nährwert und Wohlgeschmack des Fleisches steht durch die minderwertigen Viehrassen nicht auf der Höhe wie in Europa. Nur selten bekommt man fettes, gutes Rindfleisch, meist nur Hammel¬ oder Ziegenfleisch. Im Jordan und in den Seen gibt es köstliche Fische. Das Brot ist oft stark verunreinigt. Durch primitive Mahlmethoden enthält es oft Sand, der die Zähne leicht schädigt. Unkrautsamen färbt es manchmal blaugrün (Tamerdan) oder macht es allerdings selten — in geringerem oder höherem Masse giftig. Die einheimischen Hülsenfrüchte, Erbsen und Linsen, sind nicht entfernt so gut wie die deutschen Sorten. Sie werden nicht weich und mehlig und verlassen oft den Dannkanal völlig unverdaut. Rosinen und Feigen werden beim Trocknen gewöhnlich stark verunreinigt, müssen also vor dem öenuss gewaschen werden. Die Melonen und Trauben verschiedenster Art und Herkunft sind höchst wohlschmeckend und erfrischend. Den anderen palästinensischen Obstsorten fehlt noch die Kultur, damit sie mit den europäischim in Wettbewerb treten können. In der Kleidung sollten die Europäer die praktischen Tropenanzüge der Engländer zum Muster nehmen. Viele plagen sich noch im Sommer mit dicken Sachen, während der weisse, oft gewaschene Leinenanzug oder der praktische Khaki doch das gegebene für die Iveisseu Länder ist. Die jüdischen Aerzte Palästinas sind meist gut vorgebildet und haben sich unter den schwierigsten Kriegs Verhältnissen gut be- Mehrere haben in ihrem schweren und oft schk-dht bezahlten Berufe den Tod gefunden. Besseres kollegiales Verhalten untereinander würde ihnen und den Patienten nützen. Ein Teil der Krankenbehandlung liegt nach russischem Muster in den Händen von Feldscheren und Hebammen. Wenn auch eine Reihe von ihnen ganz tüchtig sind, so sollte ihre Tätigkeit doch auf die Ausführung ärztlicher Anordnungen und einfache Hilfeleistungen beschränkt bleiben. Das Apothekerwesen bedarf strengerer Kontrolle. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Palästina heute ein Land mit vielfach schlechten g e s u n d h e i t Ii c h e u Verhältnissen ist, die aber weitgehend besserungsfähig sind. Es bedarf hierzu grosser geldlicher Opfer, verständiger Anwendung in den Tropen bereits gemachter Erfahrungen durch geeignete energische und besonders geschulte Männer und schliesslich am meisten der Hebung der gesamten Kultur aller Teile der Bevölkerung. Die Aufgabe ist des Schweisses der Edeln wert.