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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 161

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Zur Gesundheitsfrage in Palästina
Date
1920-01-10
Page
Seite 161 (sequence 8)
Language
German
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161 sieht sitzt, aber ganz ungefährlich ist und nur zu einer entstellenden charakteristischen Narbe führt, an der man oft den Aleppiner erkennt. Häufig sind Wurmkrankheiten verschiedener Art. Besonders gefährlich aber selten sind die Filariose und die Bilharziose, die zu schweren Blasenleiden führt. Die Geschlechtskrankheiten sind unter den Juden im Gegensatz zur anderen Bevölkerung sehr selten. In den Häfen und in Jerusalem kommen 'venerische Infektionen auch unter den Juden gelegentlich vor, die Kolonien können aber als praktisch frei von Geschlechtskrankheiten angesehen werden. Der Aussatz, die Lepra, kommt nicht allzu selten vor, hat aber als Volksseuche wenigstens in Galiläa keine Bedeutung. Die allgemein als richtig anerkannte Art der Bekämpfung, die in rücksichtsloser Isolierung der Kranken besteht, war im Frieden bereits in Jerusalem durch die Errichtung des Lepraheims in Angriff genommen, doch fehlte noch der gesetzliche Zwang zur Verbringung der Kranken in die Anstalt. Neben den eigentlichen Ursachen der ansteckenden Krankheiten spielen 'für das Wohlbefinden besonders des Europäers in Palästina die allgemein hygienischen Verhältnisse eine grosse Rolle, weil sie oft indirekt das Entstehen der Krankheiten begünstigen. Das, was den Europäer in Palästina zunächst am unangenehmsten berührt, ist die Hitze. Kommt er im Winter ins Land und kann er sich im Frühling allmählich an die hohen Temperaturen gewöhnen, so verträgt er diese im allgemeinen ganz gut. Der plötzliche Uebergang von kalten in heisse Gegenden bringt aber sehr häufig unangenehme körperliche Störungen mit sich, die je nach dem Aufenthaltsort sehr verschieden sein können. Man kann in Palästina drei verschiedene klimatische Typen unterscheiden. Die Küste ist durch ein warmes feuchtes Klima ausgezeichnet, das schon bei nicht sehr hohen Wärmegraden als schwül und drückend empfunden wird. Das Baden im Meere bringt im Sommer nur wenig Erfrischung, denn wenn man sich angezogen hat, ist man meist schon wieder so heiss wie vor dem Bade. Dfcr Schweiss kann in der wasserreichen Luft nicht so schnell verdunsten und wirkt daher nur unangenehm nässend, nicht kühlend. Die blendende Sonnenstrahlung wird durch die auch im Sommer häufige starke Wolkenbildung mehr gemildert als im Innern. Der oft starke Morgentau entzieht bei seiner Verdunstung der Luft und dem Boden etwas Wärme und trägt so zur Kühlhaltung der Morgenstunden ein wenig bei. Die nächtliche Abkühlung ist meist nicht sehr gross. Der Schlaf ist infolgedessen oft schlecht, besonders da es wenigstens in Haifa nicht üblich ist, auf dem Dache zu schlafen und da die Aloskitonetze über den Betten den kühlenden Luftzug noch etwas abhalten. Der Appetit leidet oft sehr, besonders .wenn die Nahrung noch dazu einförmig und reizlos ist. Im allgemeinen ist die Leistungsfähigkeit 'des Europäers im Küsteiklima im Sommer herabgesetzt. In Haifa, dessen Verhältnisse ich speziell im Auge habe, gelten die angeführten Tatsachen nicht für den erheblieh angenehmeren Kännel, auf dem es mehr kühlende Winde gibt, und wo sich der Staub auch nicht

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