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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 160

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Zur Gesundheitsfrage in Palästina
Date
1920-01-10
Page
Seite 160 (sequence 7)
Language
German
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160 unreinigung geschieht oft durch kranke Menschen, die sich gesund fühlen aber doch die Krankheitserreger beherbergen (Bazillenträger), ferner durch den Staub, in dem häufig die ausgetrockneten, infektiösen Ausscheidungen der Kranken verweht werden, ferner durch Fttegien. Der Kampf gegen die Darmkrankheiten hat zunächst mit einer Hebung der allgemeinen Sauberkeit im weitesten Sinne zu beginnen. Wieder ein inniger Zusammenhang zwischen Gesundheit und allgemeiner Kultur. Die Basare mit ihren schmutzigen Verkäufern und Käufern, den Fliegen, dem Staub müssen verbessert werden. Die Lebensmittel müssen gegen Staub und Fliegen geschützt und vor dem Genuss gereinigt oder gekocht werden;. Mit Verordnungen ist da nicht viel zu erreichen, das Verständnis der Bevölkerung muss gehoben werden. Die Juden werden die praktische Hygiene schnell lernen, aber bei den Arabern wird das noch lange dauern. Sache der Sanitätsbehörden ist Absonderung der Erkrankten, Bewachung der Erzeugung und des Verkehrs mit Nahrungsmitteln, Kontrolle des Trinkwassers. Man findet noch oft in Palästina die Zisternen in grosser Nähe der Abortgruben, so dass eine Kommunikation zwischen Fäkalien und Trinkwasser leicht möglich ist. Diese Zustände sind für die Verbreitung der Darmkrankheiten natürlich sehr günstig. Den typhusähnlichen Erkrankungen kann man das M a It a f ie b e r anreihen, dessen Erreger durch Ziegenmilch und Ziegenkäse übertragen wird. Es ist ein langes und zehrendes Fieber, dem schwer beizukornmeu ist. Es ist durch Kochen der Ali Ich zu vermeiden. Allerdings müsste man dann auf den Ziegenkäse verzichten. Die Krankheit hat für Palästina aber keine grosse Bedeutung. Furchtbare Opfer, besonders unter den Juden des alten Jischuvv, forderte das Flcckfieber. Am schlimmsten waren Safed und Tiberias betroffen. Diese Krankheit, die durch die Kleiderläuse übertragen wird, hätte bei grösserer Sauberkeit nicht solche Verbreitung gewinnen können. Sie Ist aber nicht in den natürlichen Verhältnissen des Landes begründet, sondern eine Kriegserscheinung, die wohl bald verschwinden wird, wenn ruhigere Verhältnisse eingetreten sein werden. Um Irrtümer zu vermeiden, sei bemerkt, dass in Palästina das Fleckfieber mit Typhus bezeichnet wird. Häufig trat das Fleckfieber zusammen mit dem Rückfallfieber auf, gegen das wir aber im Salvarsan ein glänzendes Heilmittel besitzen. Auch das Rückfallfieber wird durch Läuse übertragen. Es wird in Friedenszeiten, wenn die allgemeine Sauberkeit ufid d!ie Wohnungen besser werden, wohl nachlassen. Das Trachom, die ägyptische Augenkrankheit (Körnerkrankheit), Granulöse, ist heute in Palästina ausserordentlich stark verbreitet. Meiner Schätzung nach haben in Tiberias 90 Prozent sämtlicher Kinder diese Krankheit, die zu schweren Sehstörungen oder zur Erblindung führen kann. Die Behandlung ist aussichtsreich, aber langwierig. Regelmässige. Augenuntersuchungen durch Schulärzte müssen gefordert werden, damit die erkrankten Kinder frühzeitig zur Behandlung kommen, ehe erst schwerere Erscheinungen lind Weiterverbreitung eingetreten sind. Die Aleppo- oder Orient beule ist in einzelnen Orten z.B. Jericho häufig. Sie ist ein langdauerndes Geschwür, das meist im Ge-

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