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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 159

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Zur Gesundheitsfrage in Palästina
Date
1920-01-10
Page
Seite 159 (sequence 6)
Language
German
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159 Hestrup überwachsenen Tümpel in den Wadis mit beseitigt werden müssen. Ich glaube allerdings, dass zwei Umstände in der Zukunft eine Vermehrung der Malaria im Gefolge ,haben werden. Erstens werden die bei der grosszügigen Kolonisation, bei den Stromregulierungen bei der Hebung der Bodenschätze, beim Bau von Wegen, Eisenbahnen und Ortschaften notwendigen Erdarbeiten und die Heranziehung von infizierten Arbeitern eine grosse Zahl von neuen Malariaerkrankungen und eine Verschleppung in bisher freie Orte zur Folge haben. Das ist eine alte Erfahrung, die man bisher immer bei grosisvn Erdbauten in Malarialändern gemacht hat (Panamakanal, Bagdadbahn). Zweitens wird die dem Luide dringend notwendige künstliche Bewässerung, die von allen Projekten vorgeselien wird, den Mücken gute Bmtplätze schaffen, ja eine durchgreifende Mückenbekämpfung vielleicht unmöglich machen. Um so mehr "Wert wird auf die anderen Mitte! der Malariabekämpfung, gelegt werden müssen. 3ewährt hat sich in vielen tropischen Kolonien, in Italien und auch in Palästina die sogenannte mechanische Prophylaxe, d. h. der Schutz vor dem Stich der Mücken durch Mückenschleier und Netze über den Betten, sowie vor den Türen und Fenstern. Diese Methode ist auch wirklicii gut, aber sehr kostspielig, erfordert viel Sorgfalt und ist besonders in der Landwirtschaft nicht immer durchzuführen. Es ist ein Irrtum, dass die Malariamücken nur am Abend stechen. Sie bevorzugen die Dämmerung und Dunkelheit, gelegentlich stechen sie aber auch am Tage und der tätige Mensch kann sich nicht immer unter dem Mückcunetz bewegen. Auch durch ein Insekt, die Sandfliege (Phlebotanus) wird chis Papp u tan fieber übertragen. Es ist eine drei Tage dauernde hochfieberhafte Erkrankung, der oft eine wochenlange unangenehme Rekonvaleszenz folgt. Die Krankheit befällt fast jeden, der in das Land kommt. Sie ist unangenehm aber ungefährlich. Moskitonetze bieten gegen die sehr kleinen Ueberträger keinen Schutz. Aehnlich sind die Erscheinungen der in Syrien zu mancher Zeit sehr häufigen De n g u e - Kranheif. Eine schwere Plage bilden heute in Palästina neben der Malaria die ansteckenden Darm k rankheiten, besonders rühr- und typhusähnliche Erkrankungen und gelegentlich auch die Cholera. Ruhr tritt meistens In der schweren und hartnäckigen Form der tropischen Amöbeiiruhr auf, gegen die wir zwar ganz gute Mittel besitzen, die aber doch oft zu schwerem Siechtum oder zum Tode führt. Der eigentliche Bauchtyphus ist selten, wird aber durch den Paratyphus, der ihm sehr ähnlich ist, ersetzt. Ferner spielen Durchfälle aller Art im Lande eine grosse Rolle, besonders in der heissen Jahreszeit;. Sehr gefürchtet ist die asiatische Cholera, die an einzelnen Orten und in einzelnen Sommern sehr viele Opfer fordert. Ihr Auftreten war ganz sprunghaft. Der Sommer 1<J17 brachte Tiberias eine schwere Epidemie, während der Sommer 1013 tinter ungünstigeren allgemeinen Verhältnissen fast cho'erafrei war. Oic Darmkrankheiten sind meistens auf den Oenuss verunreinigter Nahrungsmittel (besonders Früchte und schlechtes Trinkwasser) zurückzuführen, aber Erkältungsursacheu spielen auch eine Rolle. Die Vcr-

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