Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Zur Gesundheitsfrage in Palästina
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 158 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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158 6. Eine Station ist besetzt mit mindestens einem Arzt (Hygicnikcr), der später in eine höhere Regierungsstelle aufrücken kann, ferner je nach Bedarf mit einer Anzahl im Laboratoriumsdienst ausgebildeten Hilfskräften, einem Schreiber und Dolmetscher, sowie Dienern für Reinigung der Gewisse, Gläser, Räume, für Botengänge usw. Bei der kostenlosen Abgabe von Chinin (zu einer Kur sind erhebliche Mengen, 30 gr und mehr notwendig) besteht die Gefahr, dass das teure und schlecht schmeckende Material nicht immer genommen, sondern verschleudert oder an Nachbarländer, in denen es auch sehr begehrt ist, verkauft wird. Wie man dieser Gefahr begegnen kann ist mir nicht klar. Das zur Chininprophylaxe und Malariabelundlung dem deutschen und türkischen Militär ausgegebene Chinin ist oft gegen klingende Piaster verkauft oder in Naturalien, wozu auch Liebesdienste zu rechnen sind, umgesetzt worden. Die Gefahr des Schmuggels ist bei dem geringen Gewicht und dem hohen Wert des Heilmittels sehr gross. 1918 kostete in Tiberias 1 gr Chinin 1 Piaster hart. Ein Eselchen mit Chinin beladen stellt ein grosses Vermögen dar, das der Beduine sehr leicht nach Bagdad oder 'Mossui transportieren kann. Die Malariabekämpfung ist aber zu wichtig, als dass sie an Bedenken dieser Art scheitern dürfte. Zu dem Angriff an den Erreger der Malaria gehört auch die Chinin* Prophylaxe (vorbeugende Chininbehandlung). Regelmässig durchgeführt ist sie in schweren 'Malariagegenden von Wert. Die kämpfende Truppe konnte ihrer nicht entraten. Die Schwierigkeiten liegen in der absoluten Regelmässigkeit der Durchführung, sowie auch in einigen Gründen rein ärztlicher Art, deren Ausführung hier zu weit führen würde. Ich glaube, dass sie unter bestimmten Verhältnissen und in der richtigen Form Vorteile bringen wird. Das in Palästina häufig geübte Vorgehen mit 0,23 gr täglich ist nach Ansicht des deutschen Malariaforschers Ziemann, mit dem ich die jüdischen Kolonien Obergaliläas zum Studium der Malaria- Verhältnisse besuchte, nicht ausreichend. Fast wichtiger als der Kampf gegen den im Menschen befindlichen Erreger der Krankheit ist der Feldzug gegen den Ueberträger, die Auophelesmücke. Es handelt sich im wesentlichen darum, ihre Brutplätze, stehende und langsam fliessende Wasserstellen aller Art, von der weggeworfenen und vollgeregneten Konservenbüchse bis zum Teich und Sumpf auszutrocknen oder für die Brut unbewohnbar zu machen. In Jerusalem waren die Zisternen eine Hauptbrutstätte der Mücken. Die Engländer sollen sie zugeschüttet und durch eine Wasserleitung von den Salomonischen Teichen her ersetzt haben; das ist nun ein heroisches Mittel, denn eine Zisterne ist bei dem langen und trockenen Sommer immicr äusserst wertvoll und man kann sie auch vor Mücken schützen. Sorgfältige Sauberkeit der Strassen, gute Abwässerungsbeseitigung, vielleicht auch hier und da Petrolisieren von kleinen Wasserflächen können helfen. In den jüdischen Kolonien hält man viel Von den Anpflanzungen von Eukalyptusbäuiuen gegen Malaria. Diese sehr schnell wachsenden Bäume trocknen den Boden aus und gewähren auch schnell angenehmen Schatten. Ihre Wirksamkeit gegen Malaria wird wohl etwas überschätzt.' Die Hauptsache w ird die gute Regulierung der Flussläufe tun, bei der die kleinen z. T. mit