Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Zur Gesundheitsfrage in Palästina
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 156 (sequence 3)
- Language
- German
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156 den Kolonien der modernen Kulturvölker, besonders Englands und Deutsch* lands, sowie aus anderen Ländern vorliegen, in weitem Umfange bejahen. Die Brionischen Inseln in der Adria waren bis vor 30 'Jahren so stark malariaverseucht, dass sie kaum bewohnbar waren. Durch Robert Koch und den tatkräftigen Unternehmer Kuppelwieser wurden sie zw völlig gesunden Luftkurorten umgewandelt. Der Kampf muss wesentlich an drei Stellen ansetzen. Es handelt sich erstens darum, die Maläriaerreger im kranken Menschen abzutöten, mit andern Worten, den Kranken auszuheilen, damit er nicht von neuem zur Ansteckungsquelle wird. Hierzu gehört auch die Vernichtung der Krankheitserreger im Menschen zu der Zeit, wo die Krankheit noch nicht zum Ausbruch gekommen ist. (Prophylaxe.) In zweiter Linie muss man die Ueberträger der Krankheit, die Anophelesmücken, vernichten, b7.\v. ihre Lebensbedingungen so verschlechtern, dass sie sich nicht entwickeln können. Drittens muss man das Zusammentreffen von Mensch und Mücke — den eigentlichen Vorgang der Ansteckung —- durch geeignete Vorrichtungen zu verhindern suchen. Für die erste Massnahme, die Ausheilung des erkrankten Menschen, steht uns leider noch kein Mittel zur Verfügung, das mit Sicherheit die Krankheit beseitigt. Von allen vorhandenen Mitteln leistet am meisten das Chinin, wenn es in richtiger Weise und in genügender Menge gegeben wird. Dias Chinin ist heute in (Palästina das gebräuchlichste Heilmitte! bei allen möglichen Krankheiten. Der Beduine hat „Suffata" (Chininsulfat) so gut in seinem Zelte Wie der Jude des alten Jischuw auch wenn er noch so arm ist „e bisserle Chine" in seiner Wohnung, hält. Bei Kopfschmerzen, Magenschmerzen, bei jeder Art Fieber, man kann sagen bei allen Krankheiten wird zunächst einmal Chinin probiert. Daran ist in einem Malarialande etwas richtiges, weil man bei der grossen Verbreitung) der Krankheit und der Verschiedenartigkeit ihrer Symptome wirklich immer zuerst an Malaria denken muss, Nur wird von Laien und auch von schlecht vorgebildeten Medizinaipersonen mit dem kritiklosen Chiningcben ein grosser Schaden angerichtet. Es wird entweder Chinin gegeben, wo es nicht nötig ist, wodurch oft eine Gewöhnung und damit eine verminderte Wirksamkeit des Mittels .eintritt, oder, und das ist das schlimmere, es wird in den wirklichen Malariafällen zu wenig und zu kurze Zeit gegeben. Hierdurch werden zwar oft die Fieberanfälle für eine gewisse Zeit kupiert, aber die Krankheit nicht ausgeheilt, was doch für den Kranken und für das ganze Land das zu erstrebende Ziel ist. Es kommt dann häufig zu den in Palästina sehr zahlreichen chronischen Malariafällen, die jahraus jahrein ihre Fieberanfälle haben, dann etwas Chinin nehmen, bis sie fieberfrei sind, und die doch ständig die Malariakeüne im Blut oder in den inneren Organen tragen und zur Quelle neuer, ungezählter Ansteckungen, für andere Menschen werden. Eine wirklich rationelle Malariabehandlung und -Bekämpfung kann nur durch besonders geschulte Aerzte erfolgen, die mit dem Mikroskop gut umzugehen verstehen, und deren Anordnungen durch den Staat zu grösstmöglicher Wirksamkeit verholfen wird. Zur Bekämpfung der Malaria wären Malariastationen an verschiedenen Orten