Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Zur Gesundheitsfrage in Palästina
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 155 (sequence 2)
- Language
- German
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155 Die Malaria tritt im wesentlichen in zwei Formen, als Malaria tropica und als Malaria tertiana auf. ' D'ie Malaria quartana ist selten. Die Krankheit äussert sich zunächst , in schweren Fieberanfällen, die allerdings nur selten zum Tode führen. Unter dem Einfluss der Chininbehandlung erfolgt in einer Reihe von Fallen Heilung*. Die Mehrzahl geht aber trotz ärztlicher Behandlung in ein chronisches Stadium über, das dem Erkrankten manchmal mir wenig Beschwerden macht, ihn aber doch immer wieder, bald in wöchentlichen, bald in monatlichen oder gar in Jahresabständen aufs Krankenlager wirft und oft sehr mitnimmt. Da die Malaria keine Immunität hinterÜisst, ist der lange im Lande Befindliche, der die. Krankheit schon durchgemacht hat, ihr ebenso ausgesetzt wie der Neuangekommene. Die Bedeutung der Malaria für die Wirtschaft des Lande* liegt weniger in der Anzahl der Todesfälle, sofern mehr in dem enormen Ausfall an Arbeitskraft, der durch die Fieberattacken bei der chronischen Erkrankung, durch die herabgesetzte Arbeitsfähigkeit zwischen den Anfällen, durch die Gleichgültigkeit und dadurch oft verbundene Unsaubcrkeit und mangelhafte Ausführung aller Verrichtungen entsteh 1. In der Farm Migdal, einem mustergültig verwalteten Unternehmen, fallen jährlieh 15 Prozent an Arbeitstagen durch Erkrankung an Malaria aus. Diese Kokmie ist aber noch nicht so schlimm dran wie die vorher erwähnten Orte am See El-Hule. Besonders leiden die Kinder unter der Malaria. In den verseuchten Orten gelingt es kaum, ein Kind ohne diese Erkrankung gross zu ziehen. Das erkrankte Kind gedeiht natürlich schlecht und ist anderen Krankheiten leichter ausgesetzt als ein gesundes. Das fast immer tödliche Schwarzwasserfieber bereitet besonders in den Orten am Meromsee manchem jungen Menschen, der mit unsäglicher Mühe großgezogen worden ist, ein qualvolles Ende im blühenden Alter. » Die Malaria ist eine Blutkrankheit und wird durch ein zu den Urtieren gehöriges Lebewesen, das Plasmodium, hervorgerufen, das nur durch den Stick der Malariamücke Anopheles in den Körper des Menschen gelaugt Die Malaria ist also nur durch die Mücke von Mensch zu Mensch . übertragbar, nicht wie andere Infektionskrankheiten durch die Ausscheidungen, durch die Gebrauchsgegenstände des Kranken oder auf ähnliehe Weise. Nur wenn man sich immer klar macht, dass zum Zustandekommen der Malaria erstens an Malaria erkrankte Menschen, die den Ansteckungsstoff, das Plasmodium, beherbergen und zweitens die Malariamücken, die allein den Anstecktmgsstoff übertragen können, gehören, wird man Verständnis für die Verbreitung und damit auch für die Bekämpfung der Malaria haben können. Wie in anderen Malarialändern ist auch in Paliistina im Volke noch vielfach die Meinung verbreitet, tfass die Luft oder das Trinkwasser die Krankheit hervorrufen. Dieser Meinung, die durch die grossen Forscher Laveran, Orassi und Koch längst endgültig widerlegt ist, muss im Interesse einer rationellen Bekämpfung entgegengetreten werden. D«er Kampf kann nur dann von Erfolg begleitet sein, wenn weiteste Kreise des Volkes über das Wesen der Seuche unterrichtet sind und mit Verständnis daran teilnehmen. Ist nun der Kampf gegen ein so weit verbreitetes Uebel aussichtsreich? D-iesc Frage kann man nach den reichen Erfahrungen, die aus