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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 149

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Der jüdische Proselytismus
Date
1920-01-10
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 schätzt werden. Bei weitem nicht alle Anhänger der jüdischen Lehre traten ins jüdische Volk ein; die meisten Jblieben vielmehr Römer und Griechen jüdischen Glaubens, wurden „Proselyten am Tore", übten keine Bcschneidung aus und durften keine Ehe mit Juden eingehen. Aus ihren für den Monotheismus vorbereiteten Kreisen gewannen die Apostel die zahlreichsten Anhänger für das Christentum. Trotzdem werden sich unzweifelhaft viele von ihnen gerade bei der Familiarität der jüdischen Lebensführung und den engen Beziehungen zwischen Kult- und Familienleben den Juden dauernd angeschlossen haben. Von solchen gleichsam nur korrespondierenden Mitgliedern des Judentums spricht Flavius Josephus; wenn er erwähnt: „Schon seit langer Zeit ist bei - der Menge ein grosser Eifer für unsere Gottesverchrung zu finden; es gibt keine Stadt, weder bei Hellenen noch bei Barbaren noch sonst irgendwo, und kein Volk> wohin nicht die Feier des Sabbaths, wie «wir sie üben, gedrungen wäre und nicht das Fasten und das Anzünden der. Lichte und viele unserer Speisegebote beobachtet würden." Mit einer solchen römischen Proselytengerneinde, dem „Epaphroditischen Kreis4', verkehrte er nach der Zerstörung Jerusalems in Rom, von ihr empfing er die Anregung, die „Geschichte des jüdischen Krieges'' zu schreiben,, für sie verfasste er die Streitschrift gegen den Antisemiten Apion, in der es heisst: „Wir haben keinen Grund die Griechen zu hassen oder zu beneiden. Im Gegenteil, viele von ihnen haben für unsere Gesetze Interesse gewonnen, und manche von ihnen sind treue Anhänger derselben geworden, während andere, die keine Kraft zum Ausharren besassen, wieder abgefallen sind." ,,Wären wir nicht selbst von der Vortrefflichkeit aller unserer Gesetze überzeugt, würden wir durch die ■Menge ihrer Anhänger darauf geführt werden stolz auf sie zu sein.*4 In Rom erregte die Hinneigung zahlreicher vornehmer Römer und vor allem Römerinnen zum Judentum den Aerger aller nationalistischen Kreise. Cicero, Horaz, Tacitus, Seneca und JuvenaS machten ihrem Aerger Lufi über die Juden und die überhandnehmende Sitte „am siebenten Tage zu faulenzen und Schweinefleisch für so kostbar zu halten wie Menscheufleisch". Diese Krämerseelen! Glaubten, wenn man an einem Tage keine Geschäfte machte, müsse - es aus Faulheit geschehen, und wenn man kein Schweinefleisch berühre, halte man es für kostbar! Eine Weisheit wie die des Botokuden, den man vor ein Orchester führte, das eine Beethovensymphonie spielte, und der auf die Frage, welchen Eindruck er gewinne, erwiderte: Ein grosser Lärm! Je mehr sich die Antike ihrem Ende näherte, um so weitere Kreise ergriff der Proselytismus. Unter Tiberiiis fiel die „jüdische" Gartin eines einflussreichen Senators ein paar jüdischen Gaunern zum Opfer, was den Anlass' zur ersten Judenverfolgung gab. Unter Hadrian musste ein Gesetz erlassen werden, das die Beschneidung von Römern verbot, 'Domitian liess einen Neffen mit seinem Anhang hinrichten und die Frauen dieses Kreises auf eine Insel verbannen, „weil sie auf den Abweg der jüdischen Lebensführung geraten waren." Grosses Aufsehen erregte in der römischen Gesellschaft eines Tages der Uebcrtritt der [angesehenen Patrizierin Valeria mitsamt ihren Sklavinnen, der aber

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