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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 150

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Der jüdische Proselytismus
Date
1920-01-10
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 durchaus nicht vereinzelt blieb. Als eifrige Jüdin war beispielsweise Beruria Paulina bekannt, auf deren Grabstein ihr jüdischer Beiname Sarah zu lesen ist. Also erfüllte sich in Rom die Weissagung des Zacnarja: „Und es -werden Zehn* von allen Zungen der Völker den Zipfel eines jüdischen Mannes' fassen und sprechen: wir werden mit euch gehen, denn wir haben .vernommen, dass Gott mit euch ist." ln| den östlichen Teilen des Imperium Romanum gab es in fast jeder grösseren Stadt Gemeinden jüdis'cher Proselyten. ,,In Antioclua," berichtet Josephus, „zogen die Juden eine Menge Griechen zu ihrem Glauben hinüber, wodurch diese gewissermassen zu einem Bestand (eil ihrer Gemeinde wurden." Ein griechischer Prosclyt, Aquila von Poiüus, übersetzte die Bibel so vortrefflich ins' Griechische, dass seine Uebersetzung die offizielle Septuaginta verdrängte. In Damaskus' sollen fast sämtliche Frauen dem Judentum angehangen haben. Als die Damaszener die unter ihnen wohnenden Juden überfallen wollten, ,,glaubten sie jetzt den Angriff aufs leichteste ausführen zu können. Scheu hatten sie nur noch vor ihren Weibern, die mit wenigen Ausnahmen zur jüdischen Religion übergetreten waren" (Josephus). In .Adiabene, einem Vasallenstaat des Partherreiches, traten die .Fürstin und der Kronprinz des wahrscheinlich aus Mazedonien stammenden Königshauses unabhängig und heimlich voneinander zum Judentum über und veranlassten hernach den Uebertritt der gesamten Familie. Wegen seines offenen Bekenntnisses zum neuen Glauben brachte der König später die ganze Dynastie in Gefahr. Die Königin hing jmit der vollen Inbrunst der Konvertitin an der für wahr erkannten Lehre. Sie ujnternahm Wallfahrten nach Jerusalem, lebte 14 Jahre als Nasiräerin und Hess sich vor den Toren der heiligen Stadt in einem Mausoleum' begraben, dessen Trümmer noch heute unter der fälschlichen Bezeichnung Königsgräber gezeigt werden. In Judäa selbst wurde der Proselytismus in grossem Stil betrieben. Hyrkan 'unterwirft die Edorniter, die als ein Hebräerstamm mit den Israeliten nach Kanaan gewandert, aber nicht in den Staatsverband der Zwölf-Stämme eingetreten waren, und zwingt sie zur Annahme des Judentums. Sein Sohn Aristobul verfährt ebenso mit dem unterworfenen Beduinenstamm der Ituräer. Aus dem Stamm der Edorniter, römisch Idurnäer, geht Antipater hervor. Sein Sohn ist Herodes. Salome ist zwar judäische Prinzessin, aber keine Jüdin von Stamm sondern Edomiterin. Durch den Proselytismus' treten somit genau wie durch die Mischehen der ersten Epoche Elemente aus allen Zweigen der weissen Rasse, Aegypter, Araber, Armenier und Iranier, Kaukasier, Griechen, Römer und Germanen zum Judentum über. Wenn auch nur ein Teil von ihnen durch AAischehe in das jüdische Volk eingeht, so ist doch der Gesamtzuwachs bei dem (grossen Verbreitungsgebiet der Juden und der langen Dauer der Proselytenperiode (1200 Jahre) gewiss als sehr beträchtlich anzusehen. Der Proselytismus ist die dritte Quelle der nordischen Elemente unter den Juden.

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