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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 148

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Der jüdische Proselytismus
Date
1920-01-10
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Frühzeitig begann der Proselytismus über die Grenze der Sklaverei hinauszuwirkeai. Die antike Götterlehre war nicht bildungsfähig. Es gab Götter oder es gab keine. Und als man mit zunehmender Aufklärung erkannte, dass es\ keine gab, flüchteten die tiefer veranlagten Geister [aus dem iSiraientaumel der orgias'tischen Kulte der Verfallszeit in die reinen Lehren des Juden- und Christentums'. Zwischen den Sekten der 'Juden und der JudenchrLsten bestand für den Heiden der Römerzeit, der aus der WeU des Bacchus' und der Isis kam, kein prinzipieller Unterschied, ßolange die Uebertritte aus freien Stücken und innerem [Verlangen erfolgten, führten sie den Konvertiten ebenso leicht zu dem einen wie anderen Bekenntnis. Rass'enbiologisch ist dieses Moment der Freiwilligkeit nicht zu unterschätzen. Während später unter dem Zuge der Zeit und dem Schwert der Eroberer der grosse Haufe wähl-, willeu- und 'gedankenlos das Christentum annahm, waren es in dem griechischrömischen Zeiten vorzugsweise die aufgeklärten und idealeren Elemente, die im Juden- und Christentum jene Befriedigung fanden, die ihr höheres Verlangen in der heidnischen WIelt der Marmorgötter vergeblich suchte. Wie zwei Schwämme, die man über einen Schlamm gelegt, sogen sie aus dem faulenden Grund der antiken Kultur alles, was' klar war, iin 6ich auf. Zahlenangaben über die Menge der Proselyten sind natürlich unmöglich; auf jeden Fall muss sie beträchtlich gewesen sein. Reinach schreibt: „Das enorme Wachstum der Juden in Aegypten, Cypcrn und Cyrene lässt sich nicht anders erklären als durch reichliche Infusion heidnischen Blutes. Der Proselytismus ergriff die oberen wie die unteren Klassen der Gesellschaft. Das Beispiel der grossen Anzahl Juden gewordener Sklaven wirkte allerdings mehr auf die Kameraden als auf die Herren." Schürer, der wohl unstreitig beste Kenner der jüdischen Geschichte der Römerepoche schreibt in seiner monumentalen „Geschichte des jüdischen Volkes' im Zeitalter Christi" über, die griechisch-römischen Proselyten: ^Wie gross1 deren Zahl war, entzieht sich unserer Kenntnisin der Anfangszeit der jüdischen Propaganda ist sie vermutlich sehr gross gewesen, denn die ungeheure Ausbreitung des Judentums lasst sich .aus der Vermehrung des Volkes allein kaum erklären." Die rassenges'chichtliche Bedeutung des Proselytismus darf nicht — wie es zumeist geschieht — unterschätzt, aber auch nicht überwurden, jüdische Mädchen als Sklavinnen mit sich genommen haben. „Die aus jüdischem und germanischem Blut geborenen Kinder waren von den Müttern im Judentum erzogen worden, weil die Väter sich nicht um sie bekümmert haben. Diese Mischlinge sollen nun die ersten Gründer der jüdischen Gemeinden zwischen Worms und Mainz gewesen sein" (Graetz). In den südrussischen Provinzen pflegten im Mittelalter die Kosaken die jüdischen Mädchen und. Frauen zu rauben, um sie nachher gegen Lösegeld wieder zurückzugeben. Da es die Regel war, dass eine solche Frau geschwängert zurückkam, wurden besondere rabbinische Bestimmungen über ihre Behandlung erlassen. In diesem Zusammenhang ist auch der Zwangsehen zu gedenken, durch die jüdische Frauen gewaltsam mit christlichen Männern verehelicht wurden. So heisst es beispielsweise von der grossen Judenverfolgung unter Chmielnitzki im 17. Jahrhundert, dass „die jüdischen Frauen, die zur Taufe gezwungen waren, in Massen von ihren Kosakenmännern, die ihnen aufgedrungen waren, zu ihren Familien zurückflohen.u

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