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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 144

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Kriegsende
Date
1920-01-10
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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144 Vertreter einer pazifistischen Weltanschauung sind, Sie mögen Sozialisten sein und Sozialismus* betätigen, wenn ihnen ihre politische Ueberzeugung es gestattet Vermögen sie das nicht, so wird sich wohl in jedem Lande eine Gruppe finden, die, abseits aller Politik, die Politik des1 Pazifismus zu treiben versucht. Und gäbe es ein Land, wo es1 Wirklich noch an einer Vereinigung' der Friedensfreunde fehlt, nun, so mögen die Juden sie igründen und zu ihr die andern aufrufen. Zum andern Mal: das jüdische Volk als1 Gesamtes, als nation inter nationes, soll internationale Politik treiben, soll seine "territoriale Zerstreuung bei geistiger Gemeinsamkeit benutzen, um den Gedanken des Verbundenseins aller Völker kraftvoll zu propagieren. Den oft •zitierten, übertriebenen, verdächtigten, bekämpften jüdischen Einfluss — benutzt, was ihr wirklich von ihm besitzt, im Sinne des Pazifismus! Juden Frankreichs: macht euch eine Ehre daraus, wenigstens in euren Reihen dem Hass zu steuern, mit dem man jenseits des Rheines auf Deutschland blickt! Juden Deutschlands: haltet wenigstens euch rein von dem Glauben, dass jenseits des Kanals Menschen leben, die anders (organisiert sind, als ihr! Juden der ganzen Welt: haltet euch fern von dem Unrecht, den Frevel, der an unsern Brüdern im Osten geschieht, den Völkern aufs Schuldkonto zu schreiben, statt denen, die sie zum Chauvinismus, zum Fanatismus, zum Blutrausch erzogen haben. Schafft eine neue Alliance Israelite Universelle, einen Weltbund friedliebender Juden, und es wird euch nicht an Feinden, aber auch nicht an (Freunden, nicht an Kampf, aber auch inicht am Sieg mangeln! Was isoll das' deutsche Judentum tun? Es soll endlich einmal aufhören, ä tout prix „loyal" zu sein, d. h. weder warm noch kalt, je nachdem, wie der Wind weht. Die Beobachtungen, die man unter dem Titel „Das deutsche Judentum vor, während und nach der Revolution" zusammenfassen könnte, sind so beschaffen, dass man lieber inicht von ihnen (spricht. Wenn 'in irgendeinem >Lande, so ist heute in Deutschland die Notwendigkeit gegeben, sich zu entscheiden: für oder gegen Militarismus, für oder gegen Pazifismus. Es kann keinen Augenblick ein Zweifel darüber bestehen, wie unsere Wahl lauten muss. In Wirklichkeit besteht auch gar kein solcher Zweifel. Aber es gefügt nicht, sich im Herzen über etwas einig zu sein, man muss es durch die Tat manifestieren. Die Imeisten deutschen Juden aber schwingen sich noch heute nicht dazu auf, ihre antimilitaristische, antinationalistische, antireaktionäre Gesinnung in die offene, ehrliche Tat umzusetzen. Sie fürchten, den Antisemitismus zu stärken; in Wahrheit schwächen sie die Kreise, die allein den 'Antisemitismus zu bekämpfen vermögen. Denn ein Volk aufrichtiger Friedensfreunde kennt keinen Judenhass. Die 'Juden in Deutschland gehören in jene Front, die heute in dem schweren und erbitterten Kampf steht gegen die neue Reaktion, den neuen Militarismus, den neuen Chauvinismus, die neue nationalistische Verhetzung. Tut nicht so, als wenn ihr euch, „abgesehen vom 'Antisemitismus", mit den „Nationalen" vertragen, in ihre Reihen treten könntet! Ihr könnt nicht!

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