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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-25 · Heft 6 (25.12.1919) · p. Seite 133

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 6 (25.12.1919)
Article
Zwei Bücher der Selbstbesinnung [Rezension]
Date
1919-12-25
Page
Seite 133 (sequence 7)
Language
German
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133 Vielleicht ist es möglich, durch Intervention des Völkerbundes aus der alten Rcligiousgemeinde der Juden eine Stammesgemeinde mit entsprechenden Kompetenzen, vor allem dem Besteuerungsrecht, zu machen. Das würde allen Interessen entsprechen, denen der üemeinden selbst und denen des Staates. Von dieser Plattform aus wäre der Kampf innerhalb der Judenhcit zu schlichten und ihre gesamte Kraft für das Werk in Palästina nutzbar zu machen. „Gegen die Partei und rückhaltlos für die Verwirklichung der Idee/' (S. 63). Sub hoc signo vinces. Aber in dem Augenblick, wo der Nationalismus sich, in diesem Weltkriege selbst ad absurdum geführt hat und den Abstieg antritt, ihn für die Juden der Diaspora neu aus dem Nichts einer puren Fiktion erschaffen zu wollen, ist das verfehlteste, was geschehen kann. Fehlerhatte Institutionen und falsche Ideologien sind der Staaten und der Völker Schicksal. Caveant consules!" (S. 177). * * * Mein rieh M arg u lies zielt weiter als Zoll sc hau. Nicht auf einen einzelnen Punkt des Programms der zionistischen Partei kommt es ihm an, nicht auf einen einzelnen Streitfall, sondern er will die Klärung im grossen und ganzen, zur Einheit von Willen und Können, „aus dem Chaos der zionistischen Ideologie heraus zu einem einfachen Leben" (S. 13). ,,Täglich schlugen sich neue Abgründe zwischen Wort und Tat. Alan sprach über Palästina — von hier aus. Man predigte die Renaissance der hebräischen Sprache — auf deutsch. Man forderte die Erziehung zum Judentum — und schickte seine Kinder zu Wyneken. Alan verkündete die Reinheit des jüdischen Geistes — und den eigenen Kindern fehlte die jüdische Mutter." (S. 15). Aus diesem kläglichen Zustand kann uns nur die Selbstbesinnung retten, der Intellekt, der furchtlos auch das liebste Urteil daraufhin untersucht., ob es nicht vielleicht doch ein falsches Vorurteil ist. Kritik ist geboten gegen den unkritischen Zionismus; die Götzen müssen zerschlagen werden, die starre Dogmatil* aufgerichtet hat. Nur aus der Skepsis kann der Positivismus erblühen. (S. 20). Das sagt Einer, der freimütig von sich selbst bekennt, dass er selbst der Unbedingtesten Einer war, den dann aber der Kampf selbst« dahin geführt hat, immer weiter rückwärts bis zu den letzten Wurzeln jenes Dualismus zugehen; da fand er den Gegensatz zwischen Judenv o 1 k und J u d e n t u m , zwischen Volk und Gemein s c h a f t; und daraus wuchs ihm die Erkenntnis, dass die Säkularisierung des Judentums", das „Los-von-Rom" von der Umklammerung des Volksbegriffes, von jeder Art von Konfession, von jedem „Geist", |nicht bloss dem religiösen, die Lösung bedeuten muss,. Das soll heissen, dass das jüdische Volk genau so ein weltliches und ungeistiges Volk ist wie jedes Volk; wie Peters :und Revcntlo w ebenso wohl Träg-er des „deutscheu Geistes44 sind, wie Kant und Fichte; wie die Deutschen kein Volk von Kantianern sind noch sein können, so ist auch Marx ein Träger des jüdischen Geistes, und das jüdische Volk kann kein „Volk von Priestern" irgendeines „Geistes" sein, weder des biblischen noch des Bubersehen. Jede Diktatur des Geistes muss abgelehnt werden.

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