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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-25 · Heft 6 (25.12.1919) · p. Seite 131

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 6 (25.12.1919)
Article
Zwei Bücher der Selbstbesinnung [Rezension]
Date
1919-12-25
Page
Seite 131 (sequence 5)
Language
German
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13t selbst auch nur den Anschein einer Berechtigung zu geben, zumal wir uns in einer Zeit des aufsteigenden Antisemitismus befinden, der nur auf plausible Verwände wartet, um sich durchzusetzen. Jn Mittel- und Westeuropa, überall, wo nicht jüdische Massensiedlung besteht, fehlen alle Voraussetzungen für die Autonomie der Juden. Sie sind in das Renners'che Schema nicht einzuordnen; es gibt keine Agenden für die Tätigkeit dieser „Nation", und es fehlen alle Möglichkeiten des Selbstschutzes gegen Uebergriffe, wie sie jede wirkliche Nation in Retorsionsmassregeln dort besitzt, wo sie selbst die herrschende Mehrheit ist. Wenn man die Schulfragen „in der Verfassung verankert4', so hat 'der Nationalismus der Mehrheit immer noch die Möglichkeit, sich auf wirtschaftlichem Gebiete auszutoben, wo ihm der Sieg ohne weiteres gesichert ist; und die Erhaltung des eigenen Schulwesens für eine so bildungshungrige Bevölkerung wie die Juden mit einem so grossen Prozentsatz von Gymnasiasten und Akademikern würde enorme Opfer erfordern oder den kulturellen Rückgang bedeuten (S. 37). Selbst wenn es sich hier nur um „Opportunitätsgründe" handelte, hätte zwar jeder für sich das Recht, die Folgen auf sich zu nehmen, aber gewiss nicht das* Recht, diese Folgen allen Glaubensgenossen für alle Zeiten aufzubringen. Aber es handelt sich gar nicht um Gründe der Opportunität gegenüber einem hohen Ideal, sondern gegenüber einer baren „Illusion". Jede genaue Beobachtung des Kampfes 'der Nationalitäten ergibt, dass es sich um einen Kampf um die politische Macht im Sinuc der staatlichen Geltung und um einen Kampf für die Geltung der Sprache handelt. „Wir Juden wollen k c i n e' p o I i - tische Macht und haben keine Sprach e." (S. 39). Es bleibt also nur die „lächerliche Bedeutungslosigkeit" der Selbstverwaltung auf den Gebieten der bisherigen Kultusgemeinde: das' aber „bedarf gar nicht dieses Mittels und rechtfertigt vor allem in keiner Weise die tatprotzige Pathetik, mit der man jetzt diese Lili'putsachc unter Anwendung einer wagen Acquivokie zu dem notwendig auf eine ganz andere Perspektive eingestellten Prinzip der nationalen Autonomie in Beziehung setzt" — mit dem Erfolge, uns wieder in Metoeken zurückzuvcrwaiuleln. (S. 39). Der jüdische Nationalismus kann eben — ausserhalb Palästinas! — keinen Sinn haben, weil es eine jüdische Nation ersl in der platonischen Idee gibt. Was für die Länder der Diaspora gepredigt wird, ist nichts als ein missverstandener „Analogie-Nationalismus" (S. 43). Keines der Kriterien einer Nation im modernen Sinne trifft für das jüdische Volk zu. Hier spricht der soziologische Spezialist; wem es um die Sache zu tun ist, sollte die wenigen Seiten selbst lesen. Sehr dankenswert ist der kräftige Hinweis darauf, dass Engländer und Franzosen als Bürger einsprachiger Staaten mit dem Worte „Nation" einen ganz anderen Begriff verbinden als etwa der Oesterreicher, und dass es nicht nur falsch, sondern auch politisch gefährlich ist, wenn man ihre Zustimmung zu dem Worte als Einverständnis mit dem eigenen Begriff verstehen wollte (S. 55). So ist denn der jüdische Nationalismus nicht logisch, sondern nur phychologisch zu verstellen. Man musste den Massen etwas geben,

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