Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 6 (25.12.1919)
- Article
- Zwei Bücher der Selbstbesinnung [Rezension]
- Date
- 1919-12-25
- Page
- Seite 129 (sequence 3)
- Language
- German
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129 das Hebräische sein. Und ganz neue Probleme werden vor den Bürgern des Judenlandes erstehen und sie in Parteien sondern: Probleme des Nationalismus (Araberfrage), der religiösen Anschauung und Haltung, der sozialen Gruppierung. Es wird noch eine gewisse Zeit dauern, bis diese Wandlung der Dinge ■sich in der Auffassung aller Zionisten durchgesetzt haben wird. Denn das Gesetz der Beharrung beherrscht auch die Sozialpsychologie, und alle Ideologien haben eine gewisse „Eigengesetzlichkeit". Es braucht seine Zeit, ehe der Sektierer erkennt, dass aus seinen geliebtesten Ideen der Inhalt ausgeronnen ist. Aber der Prozess der Selbstbesinnung hat jedenfalls bereits begonnen. * * * Daruni ist es der richtige psychologische Moment, in dem die beiden Bücher erscheinen, von denen hier die Rede sein soll. Sie sind beide verfasst von Mannern, die nach ihrer zionistischen Vergangenheit und nicht minder nach ihrem geistig-wissenschaftlichen Format den Anspruch darauf haben, auch von ihren Gesinnungsgegnern mit der höchsten Achtung angehört zu werden; und beide Schriften sind gleichmässig getragen von der höchsten Liebe zu der grossen gemeinsamen Sache und von dem leidenschaftlichen Wunsche, in ihrem Interesse die verloren gegangene Einheit des Willens und der Tat wiederzugewinnen. I g n a z Z o 1 I s c h a n gliedert seine Schrift in zwei Hauptteile, die Revision des praktischen, und die des theoretischen Programms des jüdischen Nationalismus. Ich werde mich hier ausschliesslich mit dem ersten Teile beschäftigen, den ich fast Wort für Wort unterschreiben kann; der zweite Teil enthält einige Vorstellungen und Behauptungen, die ich nicht ohne weiteres akzeptieren kann;4) es hat um so wenige)' Zweck, darauf an dieser Stelle einzugehen, als die Bündigkeit der Schlüsse durchaus nicht von der Richtigkeit dieser Praemisscn abhängt. Hier ist der Rassentheoretiker ein wenig mit dem Politiker durchgegangen, und weniger wäre mehr gewesen. Aber der praktische Teil ist schlechthin wundervoll. Der Klarheit des Gedankens entspricht überall die Präzision des Ausdruckst der überall den Nagel auf den Kopf (zuweilen auch i m Kopf) trifft. Nichts liegt diesem ganz auf das' Sachliche gestellten wahren Gelehrten ferner, als die Absicht, zu verletzen: aber den Erfolg, zu «verletzten, wird sie wohl des öfteren haben, nämlich Gegnern gegenüber, die nicht auch ihrerseits die gleiche Sachlichkeit aufbringen können. ,,Dic staatsrechtliche Anerkennung der jüdischen Nationalität im inneren volkliehen Dasein ist weder durch die obersten Leitsätze jeder nationaljüdischen Politik, noch durch das Wohl der jüdischen Bevölkerung, noch durch die vorhandenen Tatsachen soziologischen Charakters irgendwie gerechtfertigt" (S. 14). Im Gegenteil; die Statuierung eines Sonderrahmens für die Juden als national-autonome Minderheit rnüsste Folgen haben, «) Namentlich Seite 157 ff.