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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-25 · Heft 6 (25.12.1919) · p. Seite 124

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 6 (25.12.1919)
Article
Die jüdische Emigrationsfrage
Date
1919-12-25
Page
Seite 124 (sequence 3)
Language
German
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124 Fassung des* gesunden Gedankens und der einzig vernünftigen Politik, die darin liegt, der weiteren Zerstreuung Halt zu gebieten, die zu weit vorgeschobenen Posten nach 'Möglichkeit zurückzuziehen, die Auswanderung so weit als tun lieh hinzuhalten, und so weit sie unvermeidlich ist, sie zu zentralisieren. Mit den bestehenden und; zu diesem Zwecke zu schaffenden, die ganze positive Judenheit umfassenden Organisationen ist die Lösung der Judenfrage möglich. Nachdem das Ziel gezeigt ist, heisst es, jetzt auch die Wege zu zeigen, und wieder haben wir von den bisherigen Fehlern und Mängeln zu lernen. - ' Es ist vorgekommen, dass rumänische Auswanderer sich planlos auf den Weg machten, von Station zu Station über Budapest, Wien und Frankfurt von den respektiven Komitees nach London weitergesandt wurden, weil man glaubte, dass von dort aus die Ueberfahrt nach Amerika 'billiger wäre. Die Sache war so grotesk, dass die Legende Auftauchte, die bösen Zionisteu hätten die Emigranten künstlich nacli London geleitet, um Vden reichen Londoner Juden eine Lektion zu erteilen. Dieser „teuflische Plan" (so bezeichnete ein hervorragender englischer Jude die Sache mir gegenüber) wurde weidlich gegen die Zionisteu ausgenützt, bis es sich herausstellte, dass die „Alliance Israelite" finden Weg verantwortlich war. Weniger vor der grossen Oeffentlichkeit haben sich zahlreiche derartige Emigrationsmalheurs selbst in den letzten Jahren noch abgespielt. Mir sind Fälle bekannt, in denen Leute die unglaublichsten Umwege, Verzögerungen, Verspätungen und Entbehrungen durchzumachen hatten, weil man, von der Ansicht ausgehend, dass Schnellzüge und Dampfschiffe teurer sein werden al*' Bummelzüge und Segelboote, den Emigranten Reisewege vorgeschlagen hat, die nicht nur* an Zeit, sondern vielmehr noch an Geld bei weitem über die üblichen, bekannten und zuverlässigen Reisewege hinausgingen. Ein (besonders häufiger Fehler bestand darin, dass Emigranten nach Amerika per Zwischendeck reisten, um die 10 Dollars, welche die zweite Klasse mehr kostete, noch „drüben" zu haben, Das Resultat war in unzähligen Fällen, dass der Zwischendeck er, weil er nicht die vorgeschriebene Summe vorzeigen konnte, nach Europa zurückgesandt wurde, während der Passagier .zweiter Klasse in New-York an Land geht, wie man bei uns aus einer Trambahn steigt, — d. h. ohne die mindesten Formalitäten. Aber dies betrifft der Hauptsache nach nur die Reisewege, über die man sich bei einiger Vorsicht immer noch orientieren körmte. Bei den Reisezielen ist das viel schwerer. Es genügt nicht, wenn der Emigrant sich auf die Nachrichten verlässt, die er vor Jahren von inzwischen verschollenen Verwandten oder Bekannten bekommen hat, und doch spielen solche Nachrichten, die meisl nicht mehr zutreffend sind, wenn sie es je waren, vielleicht die grösste Rolle bei der Wahl des „neuen Landes". Es genügt auch nicht, wenn die Nachrichten frischeren Datums sind. Der einzelne Eingewanderte, der ja metst dem Proletariat

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