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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-25 · Heft 6 (25.12.1919) · p. Seite 123

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 6 (25.12.1919)
Article
Die jüdische Emigrationsfrage
Date
1919-12-25
Page
Seite 123 (sequence 2)
Language
German
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123 Judenfamilien, und ich kann als Augenzeuge berichten, wie diese beiden zu Pcssach nach dieser „Hauptgemeindc" von 10 Juden reisten, und habe einen ungefähren Begriff davon bekommen, was es für arme Leute, die ohnehin um ihre Existenz kämpfen, bedeutet, für mehrere Wochen ihren ganzen Haushalt nach einem anderen Orte zu verlegen, von dem sie eine Tagesreise entfernt wohnen. Trotzdem also das Prinzip der Zerstreuung, welches wir 'bis in die neueste Zeit aus einem gesunden Instinkt heraus als den Zerfall des Judentums und als eine Fortsetzung der Jahrtausende alten Vernichtungskriege gegen die Juden betrachtet haben, ebenso von den Religiösen, wie von den Nationalen unter uns aufs allerentschiedenste bekämpft werden sollte, sehen wir es* von Tag zu Tag unter Anerkennung der offiziellen Judenheit wohl aller Länder immer konsequenter durchgeführt. Gegen 'diesen folgenschweren Irrtum, der, soweit er um sich greift, mit Naturnotwendigkeit zum Verschwinden der Juden und des Judentums führen muss1, soll endlich ein energischer Feldzug eröffnet werden. Es muss in -Wort und Schrift auf die Gefährlichkeit dieser kürzlich zur Herrschaft gelangten Tendenz hingewiesen wrerden, und religiöse wie nationale Juden sollten alle ihre Kräfte daranwenden, das Uebel zu bekämpfen. Die Sache wird noch grösser, wenn man bedenkt, dass hier ein Boden ist, auf dem alle positiven Elemente im Judentum ein gemeinsames Arbeitsfeld finden. Und gerade von diesem Punkte aus wird ein Zusammenarbeiten in allen anderen jüdischen Fragen sich von selbst ergeben, denn wenn wir das Problem weit genug fassen, so liegen alle anderen Teile der jüdischen Frage innerhalb derjenigen der Judenwanulerung. Die Juden Wanderungsfrage ist die J u d c n f r a g e! Um ein schlechtes Extrem energisch bekämpfen zu können, muss man das Entgegengesetzte als Forderung oder doch wenigstens als Losungswort aufstellen. Es ist ja klar, dass jedes Extrem schlecht ist, aber wenn man über ein Ziel hinausgegangen ist, ist es notwendig, Halt zu machen, und in der entgegengesetzten Richtung zu gehen. Und es ist auch nicht anzunehmen, dass' man nach der Verirrung in einer Richtung sich nun schnell ebensoweit nach der entgegengesetzten Richtung verirren werde. Ein verirrte! Wanderer wird beim Rückwege vorsichtiger sein. Wir wollen also zunächst das der Zerstreuung entgegengesetzte Prinzip als Losungswort aufstellen, und es ist klar, dass, wenn wir der feinsten Verteilung der Juden über alle Länder der Welt die kompakteste S a m m 1 u n g i ji einem Lande gegenüberstellen, dieses Land schon deshalb kein anderes1 sein kann, als unser altes Land Palästina, weit die Einigung aller Juden auf ein anderes Land undenkbar wäre. Wir hätten also das andere Extrem: die Forderung der Rückkehr der Juden nach P a 1 ä s t i n a. Wir 'haben schon gesagt, dass jedes Extrem schlecht ist. Wir haben auch gesagt, dass ein Extrem ein gutes Losungswort sein kann für die Umkehr auf falschem Wege. In diesem Sinne ist die extreme Forderung der Rückkehr alier Juden nach Palästina nur die extreme

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