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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-25 · Heft 6 (25.12.1919) · p. Seite 122

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 6 (25.12.1919)
Article
Die jüdische Emigrationsfrage
Date
1919-12-25
Page
Seite 122 (sequence 1)
Language
German
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122 Die jüdische Emigrationsfrage Von Davis T r i e t s c h *) ein Volk der Erde kann mit solchem Recht ein Wandervolk genannt werden wie das jüdische. Keines* ist so weit verbreitet, und keines (besteht in einem ähnlichen Prozentsatz — der bei uns nicht viel weniger als 100 ausmacht — aus1 „Wanderern". . Und wäre nicht eine Hoffnung der Wiedervereinigung des Volkes mit seinem Lande durch alle Goluszeiten hindurch bei uns lebendig geblieben, so könnten wir selber den „Juif errant" als unseren Typus akzeptieren und den Wanderstab als unser Symbol. Kürzlich ging ein Bericht einer amerikanisch-jüdischen Kolonisations* gesellschaft durch die Blätter, nach welchem es den Bemühungen des Vereins gelungen sei, 45 jüdische Familien mit zusammen 171 Seelen landwirtschaftlich anzusiedeln, und zwar in 25 Staaten der Union. -\ Es (gibt Juden, denen es sehr gleichgültig ist, dass durch eine solche „feinste Verteilung" der Judenheit der nationale Zusammenhalt immer mehr verloren geht, und die Zerstreuung eine immer vollständigere wird. — Wenn diese Juden Juden sind, ohne die nationale Zusammengehörigkeit anzuerkennen, so müssen wir wohl annehmen, dass sie ihr Judentum auf die Religion beschränken. Aber nichts kann klarer sein, als dass die „feinste Verteilung" auch der Untergang des religiösen Judentums wäre. Unser religiöses Gesetz ist auf ein Volk, das in ein e ni Lande lebt, zugeschnitten, und verlangt Zusammenkünfte von Juden, nicht nur für die Feste, sondern auch für das tägliche Gebet. Ich kenne eine Judeu- ^gemeinde, irgendwo im Orient, die 10 erwachsene männliche Mitglieder zählt, und die in alter Treue am Gesetze hängt. Es ist klar, dass es für diese Leute eine Katastrophe wäre, wenn »einer 'von ihnen auf irgendeine Weise der Gemeinde verloren ginge. In weitem Umkreise von dieser Zwerggemeinde leben — iwieder voneinander getrennt — zwei einzelne *) Dieser Artikel wurde zuerst 1903.in der „Welt" veröffentlicht. Wenn er trotzdem heute als überaus aktuell bezeichnet werden kann, so zeugt das ebenso sehr für den Weitblick des Verfassers wie für die Kurzsichtigkeit der leitenden Kreise im Judentum, dki eine solche, heute sehr bedrohliche Alctuellität siebzehn Jahre lang zur drängendsten Not werden Hessen. H e r z l nahm damals (Anfang 1903) diesen Artikel zum Ausgangspunkte eines grossen Planes: die Errichtung eines zionistischen EmigrationSamtes, das unter dem Namen eines Informationsbüros für jüdische Orientkolonisation vom Verfasser des obigen Artikels geschaffen werden sollte (s. u. a. „Welt" v. 13. Febr. und vom Q. 'Mai 1903), Dieser Bau kam nicht zur Ausführung. Anfangs 1906 konnte Tri et seh dann in Jalfa wenigstens ein „Informationsbüro für Palästina" ins Leben rufen, das bald die tatkräftige Unterstützung aller oben genannten Organisationen fand. Zum ersten Male arbeiteten jene Instanzen zusammen. Die Zentrale war in Jaffa. Zweigbüros bestanden in Jerusalem, Maifa, Beirut, Kairo, Aleppo, Saloniki, Konstantinopel und Odessa. Alles das 'mit verhältnismässig geringen Mitteln, aber ziemlich grosser Wirkung. Auf die Mithilfe der besten Jaffaer Zionistcn von damals, besonders der^ Herren Dr. C h i s s i n, ü i z e n g o f f, Gorüon und S c h e i n k i n sei besonders hingewiesen.

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