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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-25 · Heft 6 (25.12.1919) · p. Seite 120

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 6 (25.12.1919)
Article
Jüdisches Wesen und jüdisches Leben
Date
1919-12-25
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 Ich wage bei den Widersprüchen in dem bisher vorliegenden Erfahrungsimaterial nidit zu entscheiden, wieweit die wirtschaftliche Eignung des Landes und seine sonstigen Bedingungen dieser Pflicht entgegenkommen, Aber ebenso wie ich glaube, dass uns auch eine pessimistischere Antwort von dem Palästinawerke nicht abschrecken darf, ebenso glaube icfh, dass' uns selbst die optimistischste nicht verleiten darf, mehr in ihm zu sehen als eben eine der Arbeiten, die getan werden müssen. Weder die äusseren Bedingungen, noch die inneren seelischen Voraussetzungen, des' jüdischen Volkes rechtfertigen es, ihm eine Monopolstellung einzuräumen. Wenn insbesondere neuerdings die Neigung auftaucht, diese Monopolstellung vom Standpunkt des Absoluten zu legitimieren, so kann ich darin nur den unglücklichen Versuch sehen, ein Ziel, dessen Inhalt real und irdisch ist, a tout prix ins "Metaphysische zu zerren. Und bemüht man gar den Messianismus, so finde ich dies angesichts dessen, was er in der jüdischen Religion und Religions- Philosophie bedeutet, einfach naiv. Im 'übrigen können alle die grossen jüdischen Wohlfahrtsaufgaben natürlich nicht von denjenigen gelöst werden, in deren Händen bisher die ganze jüdische Wohlfahrtspolitik lag. Alle diese halb- und dreiviertelfremden west-, intelligenz-tf und kapitaljüdischen Patrone haben mit allen ihren Millionen trotz oft besten Willens niemals' Wesentliches geleistet. Sie können das Wesentliche gar nicht sehen. Das kann nur das Volk selber, Wenn es einmal zum Bewusstsein seiner Notwendigkeiten und seiner Kräfte kommt. Von seinen mehr oder minder brüderlichen Vormündern sich emanzipierend, niuss es in geeigneten Organisationen seine Sache selbst in die Hand nehmen. Im «'Gegensatz zur Wohlfahrtspolitik kann sich nationale Kulturpolitik nicht auf den Inhalt der Kulturtätigkeit, sondern nur auf Voraussetzungen und Mittel beziehen. Als eine solche Voraussetzung ersten Ranges sehe ich die Sprache an. Wohl ist sie erst vom Wesen des Volks geboren, aber sie stützt dann dieses Wesen, indem sie ihm .besondere Ausdrucksmöglichkeiten verleiht. Das jüdische Volk hat keine einheitliche Sprache; aber jede seiner eigenen, mit jüdischem Geist beseelten Sprachen erfüllt den Zweck, die betreffende jüdische Gruppe von den Nichtjuden kulturell zu sondern und zugleich Idem Gesamtjudentum zu erhalten. Unter den verschiedenen eigenen jüdischen Sprachen ist das Jiddisch der Ostjuden die fruchtbarste, die Grundlage der aussichtsvollsten Kulturbetriebe. Und wir müssen alles daransetzen, um diesem mächtigen Kulturmittel die staatliche Anerkennung, die Schule, die Autonomie zu erringen. Was das Hebräische betrifft, so halte ich das Schrifttum in hebräischer (und aramäischer) Sprache aus' religiösen, nationalkulturellen und historischen ^Gründen für ein lebendiges Gut des jüdischen Volkes und seine ausgedehnteste und und intensivste Pflege für eine nationale Pflicht ersten Ranges. Doch beziehe ich das' hebräische Sprechen in diese Pflicht nicht mit ein und sehe auch die dahin erhobene Forderung nicht in den seelischen Bedürfnissen der Juden verankert und von den Verhältnissen niclrt gegeben. (Sollte es' speziell in Palästina zu

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