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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-10 · Heft 5 (10.12.1919) · p. Seite 106

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 5 (10.12.1919)
Article
Ruben und das neue Personifikationsdogma
Date
1919-12-10
Page
Seite 106 (sequence 8)
Language
German
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106 Ein dritter Versuch, den Inhalt von l.Mos.35,22 usw. aus der Geschichte des Stammes Rüben herzuleiten, besteht darin, dass man die Tat, die dort dem Rüben zugeschrieben ist, mit der Tat parallclisiert, die in 2.Sam. 16,21 von Absalom berichtet wird. Man sagt nämlich, dieser habe durch den ehelichen Umgang mit Kebsweibern setnes Vaters David symbolisch ausdrücken wollen, dass er seines Vaters Herrscher- Stellung an sich raffe. Indes wenn es in Israel Sitte gewesen wäre, durch den ehelichen Umgang mit den NchQngattinncn eines Herrschers die Ucbernahmc seiner Herrschaft zu symbolisieren, so wäre zunächst eines ganz unbegreiflich, und das wäre Davids Verhalten bei dieser Sache. Wie hätte David, wenn jene Sitte bestanden hätte, bei seiner Flucht vor Absalom zehn Nebenweiber von sich zur Behütung seines Palastes in Jerusalem zurücklassen können? Er hätte ja wissen müssen, dass Absalom nächstens nach Jerusalem heranzog und also jene angebliche symbolische Handlung vollziehen konnte. Warum hätte David dann seine Gattinnen nicht alle mitgenommen und fremde Frauenspersonen oder Männer zur Behütung des königlichen Palastes zurückgelassen? Waruni ferner wäre jene angebliche symbolische Handlung, wenn sie in Israel bekannt gewesen wäre, auf einen Ratschlag Ahitophels zurückgeführt,; und dieser wegen dieses klugen Ratschlages hoch gerühmt worden? Warum endlich wäre dieser angebliche symbolische Zweck jener "Handlung Absaloms mit keinem Worte angedeutet? Etwa weil dieser Zweck von selbst bekannt war? Nein, auch das gilt nicht. Denn jener angebliche Zweck ist nicht nur nicht angedeutet, sondern es ist vielmehr ein anderer Zweck und Erfolg jener Handlung angegeben: Die denkbar grösste Entfremdung zwischen Einern Sohne und seinem Vater, sozusagen die Zerschneidung des Tischtuches zwischen beiden. Trotzalledem aber wird in einer gewissen Richtung von neueren Kommentaren zu 2. Sam. 16,21 immer weiter von jenein angeblichen symbolischen Ehebruch Absaloms geredet.5) Moderne Theorien sind sehr lebenszäh. Ein vierter Versuch, die Tat, die betreffs Rubens in 1. Mos. 35,22 usw. erzählt wird, aus der Geschichte des Stammes Rüben abzuleiten, ist der folgende. Man meint, jene Erzählung solle ausdrücken, d,ass „der Stamm Rüben den verschollenen Stamm Bilha in widerrechtlicher Weise in seinen Machtbereich zog." Aber wo ist ein Beweis für die neuere Behauptung, dass „Namen, wie Sara, Rebekka, Lea, Rahel, Silpa, Bilha und andere, Namen von Stämmen sind?" Aber es gibt im Gegenteil Umstände, die durchaus davon abraten, die Namen Sara, Rebekka usw. als Bezeichnungen von Stämmen hinzustellen. Diese moderne Deutung wäre ja nur dann einigexmassen natürlich, wenn einfach erzählt wäre, dass ein Mann Namens so und so und ein Weib dieses oder jenes Namens sich geheiratet hätten. Aber so ist es nicht in den Fällen, wo Sara, Rebekka usw. bis Bilha erwähnt werefen. In diesen Fairen ist ja erzählt, dass aus den Ehen mit diesen Frauen die und die Kinder entsprossen. Da kann nicht vorausgesetzt werden, dass der Erzähler die Absicht 5) Audi wieder bei Gressmann im Auswahls-Alten Testament, 4. Lieferung, S. 181.

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