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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-10 · Heft 5 (10.12.1919) · p. Seite 103

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 5 (10.12.1919)
Article
Ruben und das neue Personifikationsdogma
Date
1919-12-10
Page
Seite 103 (sequence 5)
Language
German
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103 Jubel über die Geburt ein.es Stammhalters in dem Ausruf „Seht, ein Junge!" zum Äusdruck gebracht wurde. „Indes was sorgt ihr euch um den Namen eines Mannes, der gar nicht gelebt hat!" so schallt es uns jetzt von vielen Seiten her entgegen. Nach der Meinung nicht weniger neueren Bearbeiter .der Literatur und Geschichte Israels ist die Person Rüben ja nur eine Personifikation. Sie soll nur das Produkt späterer Erwägungen sein. Sie soll nur ersonnen sein, um dem Stamm'Rüben hinterher einen genealogischen Ausgangspunkt zu verschaffen. So sei „Rüben" nach seinem Namen, seinen Taten und Schicksalen nur ein Reflex des Stammes Ruhen und der Geschichte dieser Völkerschaft. Es tut nichts zur 'Sache, die Namen der Gelehrten aufzuzählen, welche neuestens diese Meinung* vertreten, und die Stellen ihrer Werke zu zitieren, wo sie dies tun. Wer von den Lesern sich für diese Belege interessiert, der kann sie im einzelnen in meiner „Geschichte der alttestamentlichen Religion" dort, wo die geschichtliche Wirklichkeit der Patriarchen (besprochen wird (S. 159 ff.), finden. Dort ist dieses moderne Dogma, dass die ältesten Hauptvertreter Israels nur auf der nachträglichen Personifizierung von Stämmen beruhen, mit vielem vergleichenden Material beleuchtet worden, aber hier soll diese neue Theorie nur in bezug auf Rube n geprüft werden. Nun aus dem, was die hebräischen Geschichtsbücher über ihn erzählen, ragt nichts so sehr hervor, wie dies, dass er der erstgeborene unter seinen Brüdern gewesen sei. Von 1. Mos. 29,32 an wird dies wenigstens achtmal bemerkt (1. Mos. 35,23; 46,8; 49,3; 2. Mos. 6,14; 4. Mos. 1,20; 26,5; 1. Chron. 5,1. 3). Wie soll die Gcsehichtserzählung Israels dazu gekommen sein, dies in ihre Annalen hineinzudichten? Die Antwort mehrerer von den neueren Gelehrten lautet: „Der berühmteste und grosste Stamm wird als Erstgeborener seines Vaters bezeichnet." Aber ist diese Antwort der wirklichen Geschichte des Stammes Rüben abgelauscht? Man kann dies nicht aus der Notiz heraushören, dass Rüben die Tötung Josephs verhindert und dessen Verkaufimg bitter beklagt hat (1. Mos. 37,22. 29 f.). Als berühmtester und grösster Stamm Israels erwies sich der Stamm Rüben auch nicht dadurch, dass die Rubelten Dathan und Abiram gegen das Aufkommen einer Fürstenstellung Von Gliedern des Stammes Lcvi protestierten (4. Mos. 16,1 ff.). Oder hat sich damals auch der in Qorach ebenfalls erwähnte Stamm Lcvi als der „berühmteste und grösste Stamm" erwiesen, weil auch von ihm ein Teil gegen die Fürstenstellung Moses und Aarons opponierte? Dass Glieder des Stammes Rüben sich an dieser Opposition beteiligten, lag nicht an der Grösse dieses Stammes, sondern ist nur ein mittelbares Zeugnis davon, dass dieser Stamm sich der Erstgeburtsstcllung seines Stammvaters bewusst war und aus ihr die natürliche Konsequenz ziehen wollte. Positiv sichere Zeugnisse dafür, dass der Stamm Rüben die andern Stämme Israels an Ruhm und Grösse überragt habe, enthalten die Geschichtsbücher dieses Volkes keineswegs.-

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