Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 5 (10.12.1919)
- Article
- Ruben und das neue Personifikationsdogma
- Date
- 1919-12-10
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
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101 in seiner Nimr'öd-Jnschrift auch der König „Salamanu von "Moab" als Tributzahler erwähnt wird.1) So wurde der Stamm Rüben von den umgebenden Völkerschaften aufgesogen, ehe noch die eiserne Faust des assyrischen Eroberers sich auf jene Gegenden legte. Nun weideten die Herden anderer Volksstämme auf jenen Wiesen, auf denen einst die Rubeniten „zwischen den Trankrinnen die Gerechtigkeitserweisungen des Ewigen besungen" hatten, wie es im Deboraliede (Rieht. 5,11) heisst. Was so die Geschichtsbücher der Hebräer vom Verschwinden Rubens aus der Geschichte erzählen, war also ein ganz natürlicher Verlauf der geschichtlichen Dinge. Kann man aber ebendasselbe Urteil über die Behauptungen fallen, die uns neuerdings von seinem Auftauchen in der Geschichte berichten wollen? Nach den israelitischen Geschichtsbüchern „soll" der Stamm Rüben die Nachkommenschaft einer geschichtlichen Persönlichkeit, namens Rüben, bilden. Diese „soll" das älteste Kind Jakobs gewesen sein, „soll" von seiner Mutter den Namen „Seht ein Sohn!" bekommen haben, „soll" zugunsten seines Bruders Joseph aufgetreten sein usw. Ja „soll" und immer nieder „soÜ" lautet es jetzt weithin. M,an blicke in die neuesten Erklärungswerke über das erste Buch der Bibel, die von einer gewissen Seite her (z. B. von G u n k e I) veröffentlicht worden sind, oder man blicke .in die neuesten Bearbeitungen der Geschichte und Altertümer Israels, die von derselben Seite her (z. B. von Stade oder G u l h e) ausgegangen sind, und man wird immer und immer wieder lesen können, dass das, was über die Person Rüben erzählt worden ist, nur auf Missverständnis und auf falscher Personifizierung beruhe. Abersehen wir doch zu, auf welcher Seite diese fehlerhaften Operationen geübt werden, ob sie den alten, oder den neuen Geschichtsschreibern auf das Konto zu setzen sind! 'Als ein Produkt des Missverständnisses wird schon der Name dieses angeblich erst hinterher ausgesonnenen Stammvaters der Rubeniten hingestellt. Denn der Name des Stammes soll ursprünglich mit dem arabischen ribäl „Löwe" oder rajabilu „Löwen" identisch gewesen sein. Diese Meinung Paul de Lagardes ist von denen freudig akzeptiert worden, die den Tjerkult, den Totcmismus, als eine frühere Religionsstufe der Israeliten ansehen, wie W. R. Smith, Stade und andere. Indes diese Meinung erweist sich bei näherem Zusehen als unbegründet. Denn anderwärts sind ja Personennamen, die mit Tiernamen zusammenklingen, in der Ueberlieferung festgehalten worden, wie z. B. Jeus Jeghusch „Löwe") als Bezeichnung einer benjaminitischen Familie (1. Chron. 7, 8, 10), obgleich dieser arabische Ausdruck für „Löwe" sonst nicht im Hebräischen existierte. Also ist die Annahme willkürlich, dass eine andere Benennung des Löwen, nämlich ribäl, umgeändert worden sei. Sie würde ebenfalls bewahrt worden sein, wenn sie als Name eines J) z. B. bei Rogers, Cuneiform Parallels to the Old Testament (1912), p. 322.