Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Das Werden des jüdischen Verlags
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84 B i a 1 i k - Uebersetzung der erste Versuch gemacht, auch die moderne hebräische Dichtung in Westeuropa einzuführen. Im Herbst 1911, nach dem X. Zionisten-Kongress, siedelte der Verlag zusammen mit der Parteileitung nach Berlin über und erfuhr eine vollständige Reorganisation. Den Bedürfnissen der Partei Rechnung tragend, wurde die theoretische und praktische Partei Ii teratur in stärkerem A^asse gepflegt. Es erschienen mehrere Spezialschriften über Palästina (T r i e t s c h: Palästina-Handbuch; die erste Palästina-Wandkarte in hebräischer Sprache u. a. m.) sowie Agitationsschriften. Die eigentliche literarische Tätigkeit des Verlags hat aber darunter nicht gelitten. Im Gegenteil. Mit dem rapiden Anwachsen der zionistischen Bewegung nahm das allgemeine Interesse an dem jüdischen Buch zu und ergriff sogar bedeutende Teile der nichtnationalen Judenheit. So fingen wir an, auch ältere Denkmäler unserer nationalen Literatur in populären Ausgaben herauszugeben. In erster Linie sind die unvergleichlichen „Denkwürdigkeiten der Glück el von Hameln" zu nennen, die kurz nacheinander in zwei Auflagen erschienen, sodann das Buch: ,,'Edom, Berichte jüdischer Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge", das infolge äusserer Schwierigkeiten erst in diesem Jahre erscheinen konnte und von einer allzu traurigen Aktualität geworden sind. — Einen neuen Typus des jüdischen Buches hat der Verlag mit seinem erfolgreichen Chad-gadja-Buch zu schaffen versucht. Diese Sammlung von Quellenschriften, Sagen, volkskundlichen Tatsachen im Verein mit Denkmälern alter jüdischer Buchkunst ist bestimmt und geeignet, den Sinn für die Grösse unserer Vergangenheit zu wecken und das elementare Gefühl der historischen Kontinuität beleben zu helfen. Während des Krieges ist die Fortsetzung der geplanten Serie, das Chanukkah- Buch '„Mo aus Zur" entstanden. Andere Festtagsbücher sind in Vorbereitung. IV. Wenn ich die Bedeutung des Jüdischen Verlags in der Zeit vor dem Kriege mit einem kurzen Ausdruck umschreiben soll, so würde ich ©agen: er hat, nach modernen Methoden arbeitend, das jüdische Buch äusserlich wie innerlich salonfähig gemacht. Dank seiner Initiative hörte <fas jüdische Buch auf, Sondercigenrum der Philologen und Theologen zu sein. Das „Pracht"- und Barmizwah-Geschenk, die kümmerlichem Ghettoskizzen wichen einer Nationalliteratur, die einem schöpferischen Zeitalter Ausdruck verlieh und ganz nebenher einen innerlich beteiligten, weltlichen Leser schuf. Kontinuität und Treue für den eigenen Stil waren das Charakteristikum des Jüdischen Verlags in den siebzehn Jahren seines Bestehens. Dennoch sind auch in seiner Geschichte Lebensabschnitte zu unterscheiden. Die drei Berliner Friedensjahre waren eine Zeit ruhigen. Arbeitens und eines langsamen, aber steten Fortschreitens gewesen. Der Weltkrieg bedeutete für uns zunächst einen Zusammenbruch auf allen Gebieten unserer Betätigung. Erst allmählich gelang es, die alte Orieu-