Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Das Werden des jüdischen Verlags
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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85 tierung zu finden und die abgerissenen Fäden neu zu knüpfen. Mit dem Jahre 191S hat eine intensivere Verlagstätigkeit eingesetzt, der man bereits schon die Vorbereitung für die neue Zeit ansehen kann: die Zeit des grossen Aufbruchs, die Zeit der Anerkennung jüdischer Nationalrechte, die Zeit des gewaltigen Aufschwungs des nationalen Bewusstseins, aber auch die Zeit beispielloser Not und Abwehr in einem, Vernichrungskarnpf, zu dem fast ganz Osteuropa gegen unsere Gemeinschaft steht. Diese Zeit .wird auch den Jüdischen Verlag aus der territorialen Enge seiner bisherigen Wirkungsmöglichkeit herausreissen und ihn in die grossen internationalen Zusammenhänge hineinstellen. Seit 12 Jahren eine Institution der Gesamtorganisation, hat der Jüd. Verlag dennoch bisher fast ausschliesslich für deutsche Juden und in deutscher Sprache gearbeitet. Diese Tätigkeit wird er auch in Zukunft nicht aulgeben, aber neue Aufgaben erwachsen ihm mit der Oeffnung der politischen und geistigen Grenzen. Die Organisierung der Gesamtjudenheit, zunächst auf territorialer Grundlage, und, darauf fussend, als Weltorganisation, ist zusehends im Wachsen begriffen. Die grosse Judenheit wird sich auch ihre Organe der gesamtnationalen Kulturpolitik schaffen, Es wird ein ganz anderer Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen derjenigen Judenheit entstehen, die aJc solche sich erhalten und entfalten will. Die grossen Werke unserer Nationalliteratur in des Wortes weitester Bedeutung werden sich internationalisieren müssen, tun in allen Kultursprachen zugänglich zu werden. Das Jüdische als wesentlicher Kulturfaktor, das Hebräische als die Sprache unserer Geschichte, unseres Landes und unserer Zukunft gehen ungeahnten Entwicklungs- und AnwcndtingsmöglicMeiten entgegen. Unter diesen Gesichtspunkten ein Organ der gesamt-jüdischen, \x>m Zionismus geführten Nationalbewegung zu werdcn: wird das Programm des Jüdischen Verlags für die kommende Zeit sein. Fünf Jahre jüdischer Verlagsarbeit (R. Löwit, -Verlag, Wien und Berlin). Von Dr. Konrad M a r i 1, Wien Bie Vermittlerrolle zwischen Verfasser und Publikum zu spiele«, ist eine Aufgabe, deren Schwierigkeit ihre begehrenswerteste Kompensation in dem Bewusstsein finden kann, an der Förderung des kulturellen Strebens einer Nation werktätig Anteil zu nehmen. Der Hochmut eines Verlegers wäre zwar unberechtigt. Der mit seinem Eintritt in die Produktionskette der geistigen Güter den wichtigsten Schritt für ihre Wertbildung zu tun vermeint, aber sicherlich ist es nichts Geringes, im Dienste einer freigewählten Idee, Arbeitskraft und Kapital restlos einzusetzen, dem geistigen Schaffen eine materielle Grundlage zu gewähren und jene Begabungen rechtzeitig zu erkennen, die berufen sind, am geplanten Werke mitzuarbeiten. Das fünfte Jahr solcher Tätigkeit hat der Wiener Verlag R. Löwit soeben abgeschlossen. Eine kurze Spanne Zeit, um Rückschau zu halten, aber eine Zeit voll von sich drängenden Ereignissen im jüdischen Leben, eine* Zeit des Aufschwunges der nationalen Bewegung und des gesteigerten Interesses für die politische und literarische Betätigung des Jude*-