Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Zur Geschichte der Firma J. Kauffmann Frankfurt am Main
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 76 (sequence 8)
- Language
- German
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76 zuführte. Um seine Ausgaben möglichst Joornekt zu gestalten, erwarb er unter Aufopferung seines Vermögens Handschriften und alte Drucke und kopierte sorgfältig die Handschriften seiner Frankfurter Freunde. Ausser dem wissenschaftlichen Zwedke lag ihm bei seinen Editionen auch der pädagogische lind religiöse am Herzen, Das jüdische Kind sollte in korrekter Sprache Hebräisch lesen, der Jude sollte „in reiner Sprache" seinem Gotte «nahen. Zu diesem Zwecke gab er 1806 das Gebetbuch unter dem Titel: ,,Sofoh B'ruröh" heraus, das ebenso praktisch, wie sinnreich geordnet ist und auch die einschlägigen religiösen Vorschriften an passender Stelle gibt Der Erfolg war, auch hier ein guter; rasch verbreitete sich dieses Gebetbuch, und Heidenheirn erlebte seine 17. Auflage. Noch grössere Verbreitung fand das kleinere Gebetbuch, das unter dem Namen „Sefath Em es" noch heute fast in jedermanns Gebrauche ist; es hat bis jetzt mehr als 150 Auflagen erlebt. Die Finna Kauf f mann hat nach den verschiedenen Bedürfnissen der grossen Menge der Beter von diesem Buche eine Reihe verschieden gearteter Ausgaben veranstaltet, von denen eine Ausgabe die Anmerkungen in deutschen Lettern wiedergibt. Alle Ausgaben der Sefath Emes sind im neuen Verlage erheblich erweitert und mit vielen interessanten Neuerungen versehen, so seien nur die Noten für die Akaente erwähnt. Das Gebetbuch Sofoh B'ruroh liess Heidenheim auch mit deutscher Uebersetzung erscheinen. Der Pentateuch, dessen vollständige Ausgabe 1798 an der Unzulänglichkeit der äusseren Mittel scheitern musste, erschien 1818 in vierfacher Gestalt. In der einen bot Heidenheim unter dem Titel Modah la Binah den Kommentar von Raschi und einen Superlcommentar zu diesem, betitelt ha Bonas ha Mikrah, von ihm selbst mit dem Aufwand grosser Gelehrsamkeit verfasst; in der zweiten, betitelt Meor Enajini, eine blosse Textausgabe mit dem einschlägigen Teile eines alten Grammatikers, betitelt En ha Koreh, und einer selbständigen Abhandlung über die Quadratschrift, betitelt En ha Sofer; in der dritten, Tikun Sofer weha Koreh betitelt, eine unpun'kticrte Ausgabe für ThoraroIIenschreiber und -Vorleser und in der vierten eine deutsche Uebersetzung mit einem bisher unbekannten Pentateuchkommentar Minchoh chadoschoh. Als Grund der verschiedenen Ausgaben gab er die Verschiedenheit des Geschmacks der Leser an. Bei der KorreOctur half ihm sein gelehrter Frankfurter Freund Salum Selig m ann Schammes. Die Ausgaben waren so korrekt, dass Heidenheim demjenigen, der ein plenum statt eines defectivum oder umgekehrt finden würde, fünf Goldgulden versprach, Eine Anekdote berichtet, es habe sieh tatsächlich ein so peinlich genauer Finder gemeldet und auch die Goldstücke erhalten. „Seine Verdienste um Kouektheit der Bibelausgaben sind unschätzbar," sagt Jost in seiner Geschichte der Israeliten (XI, 139). Hei den hei ms Offizin ging-nach seinem Tode in den Besitz seines Teilhabers Lehrberger über. Im Jahre 1899 wurde die Firma M. Lehrberger u. Co. von der Firma Kauffman n angeücauft und am 1. Juni 1912 wurde auch die von der Urfirma abgesplitterte Finna S. Lehrbetger u. Cie. mit der Urfirma vereinigt und von Rödelheim nach Frankfurt verlegt.