Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Zur Geschichte der Firma J. Kauffmann Frankfurt am Main
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 77 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2908689-2908753-2908755-2912266--2856-2912350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
77 Am 1. Juli 1909 trat Ignatz Kau ff mann von der Geschäftsleitung zurück und' überljess seinem Sohne Herrn Dr. Felix Kauffrnann die Firma. Nun erst stieg die Firma zu ihrer jetzigen Höhe empor. Buchhandlung M. Poppelauer ie M. Poppelauer'sche Buchhandlung wurde von Dr. Moritz Poppelauer am 22. Mai 1860 gegründet. Der Gründer, ein Schüler Rabbi Salomo Egers, und auf den Universitäten Berlin, Leipzig und Halle weitergebildet, war für den Rabbinerberuf bestimmt, entschloss sich aber, seine vielseitigen hebräischen und talmudisehen Kenntnisse im praktischen Leben zu verwerten. Daher gründete er die Buchhandlung mit ausgesprochen jüdisch-wissenschaftlicher Tendenz. Damals war es noch erforderlich, dass der Gründer einer Buchhandlung ein Examen vor einer Behörde abzulegen hatte. Sehr bald war der -Laden des jungen Buchhändlers der Sammelpunkt der damaligen jüdischen Gelehrtenwclt, zu der Persönlichkeiten wie Zunz, Sachs, Berliner, Cassel, Lebrecht, Steinschneider und andere zählten, Dank Iseiner hervorragenden Kenntnisse, der Treue und Zuverlässigkeit seines Charakters, gelang es Dr. Poppclauer bald das Geschält in Blüte zu britigen, mit dem In- und Ausland Verbindungen anzuknüpfen und den Namen seiner Firma zu Ehren zu bringen. Der Verlag umfasste Werke von Zunz, Cassel, Lebrecht, Steinschneider, Lewandowski u. a. Sehr bekannt wurde der Verlag in weitesten Kreisen durch den „Vofkskaf ender für Israeliten", von dem dieses Jahr der 00. Jahrgang erschien; ferner durch die Kunstblätter „Gallcrie berühmter Männer in Israel" und durch die Herausgabe einzelner Porträts berühmter jüdischer Gelehrten. Neben dem Verlag pflegte Dr. Poppelauer auch das jüdischwissenschaftliche Antiquariat, doch ist erst nach seinem Tode der ersle Katalog über Hebraica und Judaica veröffentlicht worden. Als Dr. Poppelauer viel zu früh, im Jahre 1880, starb, hatte die Buchhandlung Weltruf erlangt. Während der nächsten 14 Jahre wurde das Geschäft von der Witwe und der Tochter des Verstorbenen weitergeführt. Im Jahre 1894 übernahm Jacob Sa eng er, der sich in zehnjähriger Tätigkeit im Hause J. Kauffmann in Frankfurt a. M. die nötigen Kenntnisse zur Führung einer jüdischen Buchhandlung erworben hatte, die Firma M. Poppelauer. Durch Ankauf der Verlage und Lager bestehender jüdischer Buchhandlungen, wie S. Mayer- Trier, B. Weisstock-Berlin und durch Erwerbung hervorragender Bibliotheken, wie der von Dr. Joel Müller, Berlin, Rabb. Dr. Wiener, Oppeln, Rabbi Jos. Kohn-Zedek, London und vieler anderen, wurde Verlag und Antiquariat wesentlich vergrössert.