Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Zur Geschichte der Firma J. Kauffmann Frankfurt am Main
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
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74 deren Pflege sich der gegenwärtige Inhaber der Firma besonders ange- . deihen lässt. Dieser, Herr Dr. Felix Kauffmann, gab auch anlässlich des 90. Geburtstages Moritz Steinschneiders (30. März 1906) eine viel beachtete Würdigung dieses Gelehrten im 1. Mqrjenblatt der „Frankfurter Zeitung" vom gleichen Datum. Das Antiquariat der Finna entwickelte sich aus den kleinsten Anfängen bis zu dem bedeutendsten jüdischen Antiquariate Deutschlands. Die Firma vollzog in den letzten Jahren u. a. den Ankauf der grossen Bibliotheken Gross- Augsburg (Verfasser der Gallia judaica), O e h 1 e n - b e r g - Wien, . der Dubletten aus den Bibliotheken Merzbacher, Frensdorf u, v. a, Sie befindet sich im Besitze der kostbarsten Inkunnabeln, illuminierten und illustrierten Werke, auch einer bedeutsamen Sammlung von Schriften der Karäer. Diese Art der Tätigkeit des Verlages bezw. seines früheren Leiters kennzeichnete ein Mitarbeter des Israelitischen Wochenblattes für die Schweiz anlässlich des Hinsclieidens Ignatz Kauffmanns in der folgenden treffenden Weise (Wiederabgedruckt „Blatter der Erinnerung an lgn. K.", Fkft. a. M. 1914, von der Familie dem Druck übergeben): „Wenn ein glücklicher Zufall ein wertvolles Manuskript oder sonst ein seltenes Exemplar ihm in die Hände spielte, war er unsagbar stoiz darauf und voll rührender Freude, wie nur irgend ein Kunstschwärmer bei der Erwerbung eines „echten" Rembrandt oder Michelangelo. Dann scheute er auch die allcrgrössten Kosten nicht, um es;!zu besitzen. Kein Wunder, wenn jetzt im K a u f f m a n n sehen Antiquariat in Frankfurt a. M. wahre Perlen jüdischer Geistesschöpfungen sidh befinden. Es gibt kaum ein Werk aus den ungeheuren Fluten der rabbinischen und späteren Schriften, das nicht im Lager dieser Buchhandlung vertreten wäre. Und den richtigen Weit einer solchen Institution für ein Volk, das Jahrtausende hindurch fast nur geistig sich betätigte, kann nur der ermessen, ucr einmal dci Versuch macht, dieses Volk des Geistes von irgend einer Seite zu erkrschen." Iii ähnlicher Weise seihreibt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an der K a u f f ni a n ti sehen Buchhandlung in Nr. 52 des Frankfurter israelitischen Familienblattes 1913 (in dem gleichen Werke abgedruckt): „Wenn heute in Deutschland ein moderner jüdischer Buchhandel existiert, so hat er seinj Dasein nur allein der ebenso unermüdlichen, wie hodistrebenden und ztelbewussten Tätigkeit dieses energischen, klugen Mannes zu verdankeil. Es gibt kaum einen jüdischen Buchhändler in Deutschland, der nicht aus seiner Schule hervorgegangen wäre." Um 1870 erschien der erste Antiquariats'katalog der Firma; jetzt liegen nahezu 100 Kataloge vor. Die Erwerbungen des Verlags waren sehr glücklich, besonders wichtig die der Firma Lehrberger u. Co. Die Firma Lehrberger war vielleicht die einzige in Deutschland, die auf gewissen; Spezialgebieten mit unserer Frankfurter Firma in Wettbewerb hätte treten können. Den wenigsten von den jetzt lebenden Glaubensgenossen dürfte es bekannt sein, welche furchtbare Verwirrung, welch' ein unglaubliches Durcheinander auf dem Gebiete der Herausgabe der Gebetbücher und der Festtagsgebete