Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Zur Geschichte der Firma J. Kauffmann Frankfurt am Main
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 73 (sequence 5)
- Language
- German
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73 die Erscheinungen der letzten Jahre dieser Epodhe, an die Abrahamsehen und Levysehen Lehrmittel, an die Umgestaltung des alten Rödelheimer S i d d u r, an die Jugendschriften von E i n s t ä d t e r, Out, Kuttner, R o t h s c h i 1 d - Esslingen u.v.a. Die jüdische Lehrerschaft in Deutschland hat dies audh alle Zeit, anerkannftmd "bewahrt dem zweiten Vertreter dieser Firma noch heute ein treues Andenken. Ein besonderes Kapitel würde die Beschreibung der Geschenkliteratur bilden, die sieh einer geradezu hingebenden Pflege von Seiten dieses Verlages erfreut. Wollten .wir alle die fesselnden Jugendschriften, die populärwissenschaftlicheu Werke, die mit reich ausgestatteten Einbänden versehenen „Siwlaunaus- Tfilohs", die goldgcpressten ledergebundenen Machsorim und Chumoschim aufzählen, so müssten wir diese Arbeit um ein -vielfaches erweitern. Die Herausgabe von wissenschaftlichen Werken gestaltete sich viel schwieriger. Die meisten dem Buchhandel fernstehenden Menschen hallen die Herausgabc wissenschaftlicher Werke für eben ein solches Geschäft, wie etwa den Verkauf von .Lebensmitteln. Das Buch,wird gedruckt und verkauft und der Verleger steckt seinen Profit ein!. Sie wissen aber nicht, mit wie vielem Idealismus ein Verleger erfüllt sein muss, um, das Wagnis der teuren Herstellungskosten für eine streng wissenschaftliche Publikation zu übernehmen. Lassen sich bei der Herausgabe anderer Werke obwaltende Konjunkturen ausnutzen oder die Spekulation auf Massenbedarf, oder kann man die Garantien von Gemeinden oder Gesellschaften für die Abnahme einer bestimmten Anzahl von Exemplaren erreichen, so fallen beim Druck jüdisch-wissenscliaftlidier Werke alle derartigen Voraussetzungen aus. Der Verfasser solcher "Werke besitzt zumeist selbst nicht die Mittel, um eine Gewähr für die hohen Kosten zu bieten, und so bleibt der Verleger, will er der Wissenschaft dienen, mit seinem Risiko in den meisten Fällen auf sich selbst angewiesen. Hier ist der Kauffmann sehe Verlag gar häufig in hochherziger Weise eingesprungen. Es seien in diesem Zusammenhange nur die Arbeiten von Moritz Steinschneider und Leopold Zunz erwähnt. Von ersteren sind bei Kauffmann erschienen: Das von der Academie des Inscriptions in Paris preisgekrönte zweibändige Werk: „Die hebräischen Uebersetzungen des Mittelalters und die Juden als Dolmetscher" (1893), „Die Mathematik b^iilen Juden" (1901), „Christliche Hebraisten <1901), „Die arabische Literatur der Juden" (1902), „Die Geschichtsliteratur der Juden (1. Abt. das. 1905), „Alfgemeine Einleitung in die jüdische Literatur des Mittelalters" (das. 1903), Index zu „Jüdische iLiteratur in E r s c Ii und Grubers' Enzyklopädie". Z u n / ist bekanntlich der Schöpfer der modernen Wissenschaft des Judentums. Epochemachend war sein Werk: „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden", das erstmalig in Berlin 1832 erschien und zum: Schaden der jüdischen Wissenschaft Jahrzehnte hindurch vergriffen, endlich im Jahre 1892 bei Kauffmann seine Auferstehung in vornehmer Ausstattung erlebte. Die Vorrede zu dieser zweiten Auflage verfasste auf Wunsch des Verlegers Seein Geringerer als Moritz Steinschneider. Sie zu lesen, ist für Jeden, der sich für jüdische Wissenschaft interessiert, ein besonderer Genuss. Zahllos sind die Werke, die, auf Z u n z und Steinschneider weiterbatiend, in dem K a u f f m a n n sehen Verlage erschienen sind und