Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Zur Geschichte der Firma J. Kauffmann Frankfurt am Main
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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72 Hirsch gerne einverstanden war. Von jener Zeit ab fand der Begründer der Firma Kau ff mann die Liebe an seinem Berufe, die ihn später immer weiter aufwärts führen sollte. Fanden indessen die Werlce H i r s c Ii s zunächst nur an dem Orte ihres Erscheinens, wenn auch guten, so doch nur beschränkten Absatz, so sollte sich bald dem Inhaber der. jung emporblühenden Buchhandlung Gelegenheit bieten, die Werke seines Verlages und seines Sortiments auch drausseri in der weiten Welt abzusetzen, Die von Hirsch erneute Orthodoxie fand einen ihrer eifrigsten Verfechter in dem! jungen Rabbiner der Nachbargemeinde Mainz, Dr. Mar'kus Lehmann, der es wie selten einer verstand, wie er sich in späteren 'Jahren selbst auszudrücken pflegte, „den Weg zu den Herzen seiner Brüder und Schwestern zu finden" und der mit der von ihm begründeten: Zeitschrift „Israelit" seinen Gedanken die Welt eroberte. Mit diesem Manne setzte sich Ka uff mann in Verbindung und beide Teile zogen den grössten Nutzen aus dieser Verbindung. Während Kauffmann für die Verbreitung des „Israelit1' in Frankfurt nach Kräften wirkte und m'ithalf, das Blatt durch seine Anzeigen lebensfähig zu gestalten, lenkte .Lehmann in seiner Zeitschrift die Aufmerksamkeit auf den aufstrebenden Verlag und dessen Werke und gewann ihm so, die weiten Kreise Deutschlands und! des grossen jüdischen Ostens. D'ie Lehma nnsclicn jüdischen Erzählungen fanden in I s a a e Kauffraann einen begeisterten Verehrer, der nicht müde wurde, sie der jüdischen Jugend zu empfehlen und so nfdht 'wenig zur Vofkstümlich- , keit {Lehmanns, beitrug. In das über den einfachen Sortimentsliandel längst hinausgewachsene, aber immer noch in kleinen Verhältnissen sidh bewegende Geschäft wurde der älteste Sohn IsaacKauffmann, Ignatz, gewissermassen hineingeboren. Er, 1849 gehören, war schon ein Frankfurter mit Leib und Seele, fm Besitze einer gründlichen Ausbitdung, die er sich in der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft, wie wahrend seiner Lehrzeit in hervorragenden Buchhandlungen erworben hatte, und einer natürlichen Intelligenz erfasste er bald die ganze (kulturelle Bedeutung des jüdischen Buchhandelsgewerbes, und mit seinem auf das Praktische, zugleich aber auch stets auf das Grosse gerichteten Sinne sucht er dieser Bedeutung igerecht zu werden. Als Ig^ratz Kauffmann im Jahre 1875 seinem Vater als Prokurist an die Seite trat, muss das Geschäft bereits einen grösseren Umfang gehabt haben. Arn 1. März« 1877 wurde er Teilhaber und führte das Gesdhäft nach dem Ableben seines Vaters als Gesellschafter seiner Mutter fort, bis er es 1894) für alleinige Rechnung übernahm. In den fast 40 Jahren, die der Genannte an der Leitung des Geschäftes beteiligt war, hat er Erfolge erzielt, die vielleicht noch niemals einer jüdischen Firma auf diesem Gebiet zuteil wurden, und er hat ihr auch in nichtjüdischen Kreisen hohes Ansehen und aligemeine Geltung zu verschaffen gewusst. Zunächst sei sein erfolgreiches Wirken auf dem Gebiete der Schulbuchliteratur erwähnt. Die unübersehbare Schulbuchliteratur, die die Firma unter Ignatz Kauffmanns Leitung, herausgebracht hat, auch' nur auszugsweise zu erwähnen, würde den Rahmen dieser Meinen Skizze bei weitem überschreiten. Wir erinnern nur an