Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Zur Geschichte der Firma J. Kauffmann Frankfurt am Main
Date
1919-10-25
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908753-2908755-2912266--2850-2912344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

71 der jüdischen Literatur und Wissenschaft der letzten beinahe hundert Jahre in sich schliefst. Der Entwicklungsgang der von uns hier zu behandelnden Firma bildet auch noch insofern ein besonderes volkswirtschaftliches Interesse, als er typisch den Werdegang zeigt, den so viele Verleger firmen in Deutschland genommen und so zu der hohen Blüte des deutschen Buchhandels beitrugen. Der Grossvater, dessen Herz ganz dem altjüdischeu „Lernen" gehörte und der nur aus idealen Gründen sich dem Gewerbe widmet, der Sohn, die Einseitigkeit dieser Art der Geschäftsführung einsehend, mehr die kaufmännische Seite betonend, während der Enkel wiederum nicht nur Kaufmann, nicht nur Gelehrter in altem Stile, sondern Akademiker,-Wissenschaftler, Orientalist und in erster Linie hervorragender Kaufmann alle .diese Vorstufen in vollendeter Synthese in sich vereinigt. >!< >:< >;< Zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts kam l s a a c K a u f f in a n n , ein Talmid Chacham alten Schlages, aus dem Elsass nach der freien Reichsstadt Frankfurt und fing hier (am 18. November 1832) einen kleinen Buchhandel an, für den der weitblickende Mann in der Stadt, die noch vom Ruhme früherer Jahrhunderte zehrte, einen günstigen Boden voraussah. Das Warenlager des alten Kau ff mann hinter dem „Judenbrückchen" dürfte wohl in einigen Gebetbüchern und Ritualien anfangs bestanden haben. Später konnte man auch einige alte Bücher bei ihm haben und zwar recht billig. Ihm lag weniger daran, dass 'die Käufer einen guten Preis bezahlten, als wie daran, dass sie recht viel in den gekauften Büchern lernten, und der Schreiber dieser Skizze erinnert sich noch recht lebhaft aus seinen Jugendjahren, wie sein Vater aus Frankfurt heimkehrte und voller Freude von den billigen Einkäufen bei Isaac Kau ff mann erzählte. Dieser selbst „lernte" auch lieber, als dass er Bücher verkaufte. Er besass ein grosses jüdisches Wissen, das er gerne verwertete, trat mehrmals literarisch hervor und schrieb die auch heute noch geschätzte Uebersetzung zum Sefer ha Joschor von Rabbi Jakob Tarn, Eng befreundet mit dem grossen Frankfurter Philantropen Freiherrn Wilhefm von Rothschild, unterstützte er diesen in seinen humanitären Bestrebungen, indem :er die Würdigkeit der Hilfesuchenden zu ergründe« suchte und oft persönlich die Spenden des Barons an Ort und Stelle leitete, eine Arbeit, die ihm 'auch mehr Vergnügen machte, als der Einzelverkauf von Gebetbüchern, Die Lust an seinem Geschäfte ging ihm erst auf mit der Begründung der Israelitischen Religionsgesellschaft. Samson Raphael Hirsch, der Begründer und Führer der deutschen Neuorthodoxie, war an die Spitze der genannten Gesellschaft berufen. Die bahnbrechende Tätigkeit, die hohe Bedeutung des Mannes zeigte sich zunächst in dessen Vorträgen und Vorlesungen, und es fanden sich aufmerksame Zuhörer, die die mündlich vorgetragenen Erklärungen der Bibel und anderer religiöser Werke zu Papier brachten. Isaac Kau ff mann trat dann an den neugewählten Rabbiner, das Zukunftsreiche in dessen Werken mit feinem Gefühl rechtzeitig erkennend, heran und bat ihn, ihm den Verlag zu übertragen, womit Rabbiner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.