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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 70

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Zur Geschichte der Firma J. Kauffmann Frankfurt am Main
Date
1919-10-25
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 usw. genügend mit Ware versehen hatten, von Ort zu Ort, überall, wo Juden wohnten, ihre Schätze anbietend. Auf diese Art haben die reisenden Buchhändler, so sag-t Benjamin S'ef aus Arto (150Ö), viel zur Verbreitung der jüdischen 'Literatur beigetragen. Im 16. Jahrhundert, mit der Zunahme der Drudcereien in Deutschland, Böhmen un<C Mähren hörte Italien allmählich auf, das Hauptquartier des jüdischen Buchhandels zu sein, so dass in der Mitte des 17. Jahrhunderts De La Orange an Buxt*>rf. den Aelteren, der eine Handlung in hebräischen Büchern betrieb, schreiben musste, dtäss es in Venedig einen grösseren Vorrat von hebräischen Büchern nidht mehr gäbe. Um diese Zeit wurde Frankfurt am Main dasj Zentrum des jüdischen Buchhandels. Alle Bücher, die in Deutschland, Böhmen, Polen usw. veröffentlicht wurden, stellte man auf der Messe dieser Stadt aus. Zwei Frankfurter Buchhändler, ,0 a b r i e 1 L u r i a und Jakob H a m e I, standen mit Buxtorf, buchhändlerischer Geschäfte halber, in Beziehung. Für wenig seltene hebräische Bücher waren die Preise damals ziemlich hoch. So wurde ein Pentateuch mit Kommentar des Nachmanides für 9 Reichstaler, die Erklärungen des Rabbi Obadja aus Bartinora für 9 Reichstaler, der Schulchan Aruch für 3, das V/erk K'li Chernda für 5, der Ralbag für 10, die Erklärungen auf die Megilloth für 3 Reichstaler verkauft. Späterhin verzog sich der Haupthandel für jüdische Bücher nach Amsterdam. Hier braucht nur der Name des Druckers und Verlegers Propes genannt zu werden, um dem Kenner die Bedeutung des Platzes für die damalige Zeit klar zu machen. Immerhin blieb für Deutschland Frankfurt am Main von der Mitte des 17. bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Zentrum des Handels mit jüdischen Büchern. Die hauptsächlichen Händler mit hebräischen Werken des 17. Jahrhunderts waren die Frankfurter Isaak und Seligmann Reis, Joseph Trier und Salomon Hanau. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die neuere Zeit nahm der jüdische Buchhandel in Frankfurt am Main alimählich ab. Es begann die gewaltige Produktion hebräischer rabbinischer Werke in Russkind! und Polen, wo in fast! jeder grösseren Stadt bedeutende jüdische Buchdruckereien und Buchhandlungen begründet wurden. Erst mit dem Auftreten der Buchhandlung Kauf fmann im ersten. Drittel des 19. Jahrhunderts kann auch in Bezug auf diesen Geschäftszweig für Frankfurt wieder von einem Aufschwung gesprochen werden. Denn die wichtigsten Voraussetzungen für das Vorhandensein eines literarischen Verkehrs bildet der Aufschwung geistiger Bildung und demgemäss das erhöhte Interesse an literarischen Erzeugnissen; beide Gebiete sind durch das Band 'gemeinsamer Interessen eng verbunden. So sind es demnach vorzüglich die vier grossen jüdischen Gelehrten Hirsch, Zunz, Steinschneider und L e h m a n n gewesen, um nur die hauptsächlichsten zu nennen, die der Pflege des jüdischen Geistest iin Deutschland wieder eine neue Heimstätte geschaffen und in deren Dienst sich die Firma K a u f f - mann stellte, um so, -was jene Grossen geschaffen, der jüdischen Allgemeinheit nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt zugute kommen zu lassen. So kann man wohl ohne Uebertreibung behaupten, dass die Geschichte der Firma J. Kauf fmann zugleich eine Geschichte

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