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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 65

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Das erste Buch des Chassidismus
Date
1919-10-25
Page
Seite 65 (sequence 4)
Language
German
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65 war jener Achija aus Schilo, der von unserm Meister Mose die Lehre empfing, und der zuerst am Auszug aus Aegypten und später am Richterhof des Königs David teilnahm''.3) Die Ehrverletzung der Rabbiner einerseits, und andererseits die Heiligung des Beseht und die Verbreitung seiner Lehren, erregten den Zorn der Mithnagdim in viel höherem Masse, als seinerzeit, im Jahre 5532 der erste Bann gegen den Chassidisnüus und seine Bekenner. Ein zeitgenössischer Rabbiner hatte eine Broschüre „Der Bruch der Sünder" („Scheber Poschim") geschrieben4), in welcher er sich gegen den Chassidismus und unter anderem auch mit folgenden Worten gegen das Buch „Toldoth Jakob-Joseph" wendet: „Ihr, Söhne Jakobs, die nach Gerechtigkeit streben, in euer Herz und nicht in euer Gewand müsst ihr den Trauerschnitt reissen! fch gebe euch heute einen Scheidebrief gegen euere Feinde, ein Buch, das euch zum Kampf anfeuern soll. Vertiefet euch darin, und ihr werdet daraus Kräfte schöpfen, um euern Feind zu besiegen. Der Allmächtige möge euch Trost spenden in. dem Leid und in dem Unglück, das euch in unseren Tagen getroffen hat." Nach dieser Einleitung folgen einige Sätze über unser Buch: „Es ist euch im Monat Ab des Jahres 5541 ein Buch zugekommen, welches der Rabbiner von Polnoa Jakob-Joseph verfasst hat. Es enthält neue Sittenlehren und Toradeutungen, ein neues System, welches sie von ihrem Meister Israel Beseht empfingen; von jenem aber sagen sie, das er die Lehre von Achio aus Schilo empfangen hätte. Sie haben den alten Weg des Torastudiums verlassen. Ihr Sinnen und Trachten ist,'das Tora- und TaFmudstudium als etwas ganz unnützes aus der Welt zu schaffen; denn nach ihnen sollte der Mensch seinen Wünschen und seinen eigenen Gedanken nachgehen. Der Verfasser nannte das Buch „Beth Jakob-Joseph" und Hess es ohne jedes Empfehlungsschreiben erscheinen." Im Fernern zitiert der Rabbiner mehrere Stellen aus den Toldoth, um ihren verführerischen Geist zu demonstrieren5). Wir ersehen aus alledem, welches Aufsehen die Toldoth erregt hatten, und wie sehr sie die Tafmudgelehrten in Litauen besorgten. Mehr als alle war über das Buch der Gaon von Wilna erbost. Er kam sein Lebtag nicht aus dem engen Horizont der Halacha heraus. Im Studium des Talmud erblickte er das geistige Heil, das Glück des Volkes. Und nun muss er aus dem Munde des Verfassers eines chassidischen Buches die Worte hören: „Der Mensch mache sich nicht zur Gewohnheit, immerwährend zu studieren".6) Schon diese Worte genügten, um den Zorn des Gaon von Wilna zu entbrennen. Auf seinen Befehl wurde das Buch in vielen jüdischen Stiidtcn verbrannt. Die Rabbiner, die alle unter dem Einfluss des Gaon standen, unterstützten ihn in allen seinen Schritten gegen den Chassidismus. Die chassidische Volkssage berichtet über die Aufregung, die im Himmel am Tage der Verbrennung dieses Buches herrschte. Der Zaddik, Rabbi 3) Daselbst, Abschnitt Balak. Diese Broschüre ist in Manuskript erhalten. 5) Vgl. mein Buch Lckoroth Hachssidoth, Seite 28—29. «; Toldoth, Wajeze.

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